Dienstag, 23. Oktober 2007

Montag, den 22. Oktober 2007

Wieder ein Woche vergangen, wieder vieles erlebt,…hier bin ich wieder:
Zuerst einmal ein paar Impressionen aus meinem Leben diese Woche mit den Jungs von „Casa Renascer“.

Habe verstärkt gemerkt, das die Jungs insbesondere die beiden Jüngsten es sehr genießen ein bischen (körpeliche)Nähe zu spüren. Jonathan und Jairo (die beiden Jungs die ich auf dem Foto des letzten Berichtes über der Schulter habe) kommen sehr oft zu einem und drücken einen, oder sagen das man sie nicht kitzeln soll (was natürlich heißt das sie unbedingt wollen). Am Anfang waren sie gar nicht so extrem „anschmiegsam“ und man merkt richtig wie sie Vertrauen entwickelt haben. Habe in diesen Momenten zum ersten Mal bewusst darüber nachgedacht, das die Jungs ja gar keine Eltern haben die sie mal in den Arm nehmen würden und bestätigen,…

Bin mit Jonathan durch die Stadt gefahren (ich habe mir ein Fahrrad gekauft und er hinten auf dem Gepäckträger). Wir haben Fotos abgeholt, da ich von jedem Jungen ein Foto mit Moritz oder mir nachgemacht habe und ein großes Gruppenbild für das Haus. Wir haben „gesungen“, dass heißt die Interpretationen von den englischen Texten der Lieder aus dem Radio. Es ist immer so lustig wenn die Jungs loslegen, da sie natürlich überhaupt kein Englisch sprechen. Auf jeden Fall haben wir einen riesigen Spaß gehabt und Jonathan hat so goldig gequietscht. Einfach der Hammer.

Moritz und ich haben Luftballons gekauft und zu Wasserbomben umfunktioniert. Die Jungs (selbstverständlich inklusive Pai-Social) waren selbstverständlich begeistert. Eimer, Flaschen, Luftballons, also alles was man so mit Wasser füllen kann wurde auch benutzt. Wir haben bestimmt eine Stunde eine riesige Wasserschlacht gemacht und es sah aus wie sau als wir fertig waren. Der Spaß allerdings war es wert. Haben dann singender Weise saubergemacht.

Das klingt jetzt alles sehr banal und natürlich ist es das auch, aber es sind diese ganzen Kleinigkeiten die den Jungs und mir soviel Spaß machen, und die einem immer wieder zum Lachen bringen. Ist natürlich schwer nachzuvollziehen wenn man die Dinge nicht miterlebt, aber wir haben uns diese Woche so oft einfach nur noch gekringelt vor Lachen, weil irgendeiner Laute von sich gibt, versucht englisch, italienisch, deutsch oder portugiesisch zu sprechen, verrückt durch die Küche tanzt und ähnliches. Macht auf jeden Fall einen riesigen Spaß und ich genieße die Zeit sehr. Auch weil ich in 2 Wochen, voraussichtlich das Haus wechseln werde. Vermisse die Jungs schon jetzt, aber man sieht sich ja weiterhin.


Diese Woche wird „Casa do Menor“ 21 Jahre alt. Das haben wir am Samstag schon mal in der „CIDAH“ gefeiert. Es gab Präsentationen und ich habe mit der Band wieder gespielt.
Am Tag davor habe ich mit Moritz geholfen alles klar Schiff zu machen, und wir haben mit kleinsten Besen das riesige Gelände gefegt, was totaler Quatsch war, da am nächsten Tag alles noch viel Schlimmer aussah und es sowieso keinem aufgefallen ist.Unser Bassist,...
Meine Percussiontruppe,...

Die CIDAH,...
Die Band,...
Der Pool in der CIDAH,...

Zur „CIDAH“ bin ich auch am Sonntag gegangen und habe dort mit ein paar Kindern gewartet, aber da nach einer Stunde immer noch nicht der Mann mit dem Schlüssel kam, fiel es dann aus. Im Nachhinein ist mir aufgefallen das das in Deutschland undenkbar wäre, aber ich habe mich an brasilianische Verhältnisse schon ganz gut gewöhnt. Das ist das schöne das man jeden Tag aufwacht und immer anders kommt als man denkt. Wenn man es locker angeht dann ist es sehr erfrischend und nicht anstrengend.

Gestern, ist Pe Renato wieder gekommen, den ich bisher ja nur in Deutschland kennen gelernt habe. Er war einen Monat mit Kindern von uns auf einer Tour durch Italien und Deutschland um mit einer Show auf die Probleme der Straßenkinder aufmerksam zu machen. Da Pe Renato ja der Gründer von „Casa do Menor“ ist, bin ich mal gespannt ob sich hier jetzt etwas ändert. Mehr dazu dann nächste Woche,…

Das war es für das Erste, ich hoffe es geht euch allen gut, euer brasilianischer Freund, Benjamin.

Auch in Brasilien regnet es mal,...

PS: Im Folgenden könnt ihr den Monatsbericht lesen, den ich monatlich an meinen Träger und die Partnergemeinde schreiben werde. Darin geht es eher um meine Arbeit als um meine persönlichen Eindrücke, da diese ja in diesem Blog bearbeitet werden. Also wer Lust hat, ihr seid eingeladen:
Monatsbericht:

Nach kurzer Eingewöhnungszeit und einer „Führung“ durch alle Häuser und Einrichtungen von „Casa do Menor“ (in Miguel Couto und Tingua), habe ich, nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen, vereinbart im ersten Monat in „Casa Renascer“ zu arbeiten.
Moritz arbeitet zurzeit mit mir zusammen dort. Ziel war und ist es, die Sprache zu erlernen und zu verbessern, sowie uns an den Lebensrhythmus von „Casa do Menor“ zu gewöhnen, damit wir uns danach gezielter und somit besser einbringen können.

„Casa Renascer“ (Haus des Wiederauflebens) bietet zurzeit 14 Jungen zwischen 12 und 17 Jahren ein Zuhause. Die Jungs haben mich sehr gut aufgenommen bzw. akzeptiert. Die Sprachbarriere ist nicht so hinderlich wie ich anfangs dachte. Im Wesentlichen lebe ich mit den Kindern mit. Wir spielen Fußball, unterhalten uns, beten und essen zusammen. Lachen und machen allen möglichen Kram. Ich helfe ein bisschen in der Küche und bei der Pflege um das Haus, wobei ich, auch in anbetracht der Tatsache das es nicht so viel zu tun gibt, nie das Gefühl hatte ich leiste gerade meine Arbeit (bzw. meinen Ersatzdienst).
Ich war Anfangs ein wenig deprimiert, da ich das Gefühl hatte mich nicht richtig einbringen zu können und es nicht wirklich viel „Arbeit“ zu erledigen gab.
Die Worte die PeRenato zu mir sagte, als ich ihn zum ersten Mal in Dieburg begegnete, halfen mir meine eigentliche Arbeit zu schätzen. Er sagte Sinngemäß, „Fühlt euch nicht als würdet ihr zur Arbeit gehen. Bringt einfach all eure Liebe mit, schenkt und lebt sie mit den Kindern.“.
Und wirklich, ich merke richtig wie die Jungs die zusätzliche Aufmerksamkeit genießen und auch brauchen. Wenn zum Beispiel die beiden Jüngsten zu mir kommen, einen fest drücken oder gekitzelt werden wollen, merke ich richtig dass sie die (körperliche) Nähe sehr genießen. Auch die Ältern freuen sich immer einen zu sehen, man Lacht zusammen, ich schenke ihnen Aufmerksamkeit, respektiere sie und zeige ihnen dass Sie mir nicht egal sind. Ich bin mir sicher, dass es für sie sehr viel bedeutet, das zu spüren. Das ihnen Kleinigkeiten gut tun, wenn ich zum Beispiel für jeden ein Foto mitbringe auf denen sie mit Moritz oder mit zu sehen sind, und sie merken das man an sie denkt.
Ich arbeite jetzt seit 5 Wochen dort und werde noch 2 Weitere dort arbeiten. Danach habe ich angefragt in „Casa Angelo“ arbeiten zu dürfen, welches kleinere Jungs betreut. Ich habe das Gefühl das ich mich dort momentan nützlicher machen kann, auch wenn ich unbedingt wieder mal in Casa Renascer arbeiten möchte. Man vermisst die Jungs ja schon bei dem Gedanken, das Haus zu wechseln.
Des Weiteren spiele ich Schlagzeug in den Messen, oder z.B. bei der 21. Jahrfeier
von „Casa do Menor“. Es macht mir sehr viel Spaß mit der Band zu üben und zu spielen.
Ansonsten Lebe ich hier einfach das Leben mit. Gehe morgens in die Morgenandachten, feiere die Feste von „Casa do Menor“ mit, und helfe wo gerade Arbeit anfällt.

Zu mir persönlich ist zu sagen, dass ich es momentan sehr genieße Teil dieser unglaublich wichtigen und warmherzigen Gemeinschaft zu sein. Es ist schön zusehen das die Arbeit
Früchte trägt und so vielen Kindern helfen kann. Meine Arbeit, die von mir nicht als Solche wahrgenommen wird, macht mir sehr viel Freude. Es sind die Kleinigkeiten die mir und den Jungs ein Lächeln auf die Lippen zaubern, und in denen man merkt, das man einfach dazugehört und nicht stur seine Pflicht erfüllt. Die Sprache wird langsam besser, wobei das verstehen schon ganz gut funktioniert, und der Rest oft durch Körpersprache kompensiert werden kann. Es ist auf jeden Fall schon jetzt eine sehr lehrreiche und intensive Zeit für mich, und ich bin sehr dankbar diese Chance bekommen zu haben.

11 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo lieber Benni, ich bin immer wieder erstaunt darüber wie professionell das Projekt aufgezogen ist. Eines lernst du für dein Leben, was so mancher von uns noch lernen müsste (z.B.ich)...alles locker sehen, wenn es nicht so kommt wie man denkt und das Beste aus den widrigsten Umständen machen. Das wird dir später vor allem im Berufsleben sicher weiter helfen. Da nehm ich mir ab heute ein Beispiel an dir. Wir denken oft an dich. Hier wird es jetzt winterlich kalt und die FlipFlops sind im Gegensatz zu deinen im Schrank. Du kannst den von der Tournee zurück gekommenen Leuten sagen, dass deine Verwandten sie gesehen und toll gefunden haben! Machs gut und liebe Grüße aus Kahl! Biggi

Anonym hat gesagt…

Lieber Benni,
deine Berichte werden immer interessanter - und ich verfolge sie regelmäßig. Ich weiß nicht, wovon ich mehr beeindruckt sein soll, dem Projekt oder deiner Arbeit dort. Es ist sicher Arbeit (wenn auch nicht im mhd. Sinn von "Mühsal"). Es ist doch eigentlich ideal, wenn man eine Arbeit tun darf, die man nicht als Arbeit wahrnimmt. Ein wichtiger Faktor dabei ist sicher die positive Rückmeldung, man könnte auch sagen: die Liebe und Dankbarkeit, die man zurück bekommt. Für mich hat das sehr viel mit gelebtem Christentum zu tun und davon sind unsere sogenannten "Volkskirchen" ja leider so weit weg! Benni, ich freue mich auf jeden weiteren Bericht von dir und warte schon gespannt.

Ganz liebe Grüße

Johannes

P.S. Unsere Telefonrechnung hat sich bisher nur unwesendlich erhöht! Auch daran sieht man, wie klein die Welt doch ist.

Anonym hat gesagt…

Hi Sohny,
ich kann mich meiner lieben Schwägerin nur anschließen: Man sollte hin und wieder Gelassenheit zeigen können, wo dies möglich ist u. vor allem lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen... wenn das immer so einnfach wäre ...
Ansonsten hast du ja nach wie vor viel Spaß in deiner Zweitheimat u. ich kann Pa Renato nur unterstützen: Das was du machst (Spielen, Singen, Tanzen, für die Jungs einfach DA SEIN) ist Arbeit im besten Sinne!
Liebe Grüße, Papa

Anonym hat gesagt…

Gude Bruderherz,
es macht echt Spaß deine Berichte zu lesen und ich finde es cool, dass du so oft reinschreibst. Gerade dass du es nicht als Arbeit empfindest zeigt doch schon, dass du dich sehr wohl wühlst und nicht Morgens aufstehst und denkst, oh mein gott jetzt muss ich den ganzen Tag auf den Beinen sein, so sollte es sein!:)

Freue mich für dich, dass du dich so wohlfühlst und es dir gut geht, sehn uns dann in 10 1/2 Monaten , wenn ich dich mim Auto vom Bahnhof abhole, also Hau rein

Brother Schamb

Anonym hat gesagt…

hi benni!
sitz hier in chester, naeher zu rio de janeiro als jeder andere aus deutschland;). man kann ja immer nur sagen: klingt echt alles super, was du da machst. ich bin echt begeistert von deinen berichten... wenn du ma zeit hast kannst du ja ma auf meinen blog schauen;) http://www.chrizza.wobistdujetzt.com . ich hoffe du erlebst weiterhin so viel und nimmst viel mit von deinem aufenthalt.
bis "bald"
Christian

Anonym hat gesagt…

Hi Ben !
Hab gerade -01:00h am 25.10.07- den neuesten, weiteren Akt deines erfüllten Lebens dort regelrecht aufgesogen...
Hört sich zwar spielerisch und locker an, aber ich glaube letztlich weiß man, was man den Tag geleistet hat... Eine Leistung der besonderen Art mit Herz, Humor und viel gegebener, ehrlicher Aufmerksamkeit. Herrlich. Ein Geben und Nehmen, ein Miteinander und Füreinander, das wohl zu einem recht zufriedenen Einschlafen am Abend führen kann (klar...im Hinterkopf immer die einzelnen Schicksale der Kids). Doch gibts du merklich all dein Kraft und Herzlichkeit und das "fluppt"....
Muß jetzt aufhören...krieg grad leicht feuchte Augen...
Denken sehr viel an dich !
Alles Liebe und bis die Tage ...
Pat G und "Tante" D

Anonym hat gesagt…

Oma und Opa haben gesagt
Hallo lieber Benni
Wir verfolgen deine ganzen Berichte mit großer Freude und sind ganz überrascht wie du dieses alles so gut machst.
Wir sind ganz Stolz auf dich.
All diese Eindrücke werden dich das ganze Leben begleiten.
Weiter so.
Wir müssen jezt in die Gesangstunde.
Nochmal alles Gute Oma und Opa.

Anonym hat gesagt…

Hallo Benni,
deine Berichte zu lesen ist spannender als jedes Buch.Immer wenn ich im Internet bin schaue ich kurz auf deiner Seite vorbei!Ich freue mich das du so viel geben und nehmen kannst.Pass auf dich auf, du machst das echt super.
Liebe Grüße Piddi!

Anonym hat gesagt…

Hi Bruder,

endlich haben wir wieder Internet und Telefon. Können also Samstag telefonieren. Deine neuen Erlebnisse klingen wieder total spannend! Lese das immer mit großer Freude. Du scheinst den richtigen Draht zu den Jungs gefunden zu haben. Diese Nähe die du ihnen gibst, ist wichtiger als materielle Dinge.
Auch schön, dass du wieder an den Drums sitzt. Da müssen wir dein Schlagzeug hier in Ingelheim ja wohl doch nicht verkaufen. :-)

Also, keep on rockin´ ,

Bruder Tobias.

Anonym hat gesagt…

Hi Benni
ich finde es immer wieder schön deine Wocheberichte zu lesen und würde am liebsten mal vorbei kommen.Schreib bitte weiter so schön. und ich wünsche dir noch ganz viel spaß!!!
Ganz Liebe Grüße deine Cousine Anna

Anonym hat gesagt…

Hallo.
Ich mochte mit Ihrer Website benniinbrasilien.blogspot.com Links tauschen