Freitag, 5. Oktober 2007

Freitag, den 5 Oktober 07

Einen sonnigen Gruß aus Brasilien.

Damit ihr euch mal vorstellen könnt, wie „Casa Renascer“ (also meine Wirkungsstätte)
so aussieht zuerst mal vor meinem Bericht ein paar Impressionen:
Marcello (Pai-Social), Moritz, und eines meiner Kinder Romulho
Der Platz wo ich den Brasilianern zeige wie verkrampft Dt. spielen,...
Eines der Zimmer der Jungs,...
Fast von jedem dieser Baeume kann man irgendeine exotische Frucht essen,...

Nach diesen Bildern mal zu den wichtigen Ereignissen:
Also das wichtigste ist natürlich das unsere Frauenfußballmannschaft gegen mein Gastland die Weltmeisterschaft gewonnen hat :) Hatten uns mit den Jungs aus unserem Haus verabredet bei ihnen das Spiel anzuschauen (Sonntag, 9 Uhr morgens), und als wir mit brasilianischer Verspätung eintrafen waren die Jungs tatsächlich schon das Spiel am schauen. Eine viertel Stunde später verschwanden sie allerdings zum Fußballspielen in der „Cidah“ und wir schauten das Spiel mit dem „Sozialvater“ zu Ende. Frauenfußball scheint hier also ähnlich wie bei uns noch nicht so den stellenwert zu haben, glaube kaum das die Jungs vor 5 Jahren als unsere Männer im Finale standen aufgestanden wären,…
Mit Verabredungen in Brasilien, ist das übrigens generell nicht so verbindlich. Haben jetzt schon ein paar Mal mit Brasilianern Termine ausgemacht, was dann nicht zwingend heißt das sie auch erscheinen. Bisher haben wir es gelassen genommen, da es nie um etwas Wichtiges ging, aber es ist schon ungewohnt, das nicht mal telefonisch abgesagt wird oder so.
Heute Morgen ging es dann nach wiederholten Anläufen zur „Policia Federal“ (Bundespolizei), die hier unter anderem für mein Jahresvisum zuständig ist. Es ging also zuerst mal mit dem Bus 20-30 Minuten von unserem Stadtteil bzw. Vorort Miguel Gouto (180 ca. tausend Einwohner) in die Stadt Nova Iguaçu (ca. 1,2Millionen Einwohner). Die Fahrt war ziemlich holprig was an 3 Dingen liegt: Erstens sind die Straßen mit Schlaglöchern übersäht, zweitens, gibt es keine Haltestellen stattdessen strecken alle 500 Meter Menschen die Hand aus die gerne mitfahren möchten, und drittens natürlich die brasilianische Fahrmentalität, bei der selbst die Italiener blass werde würden. Dennoch war die Fahrt ziemlich interessant um einmal einen Blick auf einen Bruchteil der riesigen Stadt zu erhaschen, in der so viel Menschen wuseln. Überall kleine, große Läden, hunderte von kirchenähnlichen Einrichtungen, Straßenstände, Verkehr, tausende Pflanzen und Bäume,…
Bei der „Policia Federal“ angekommen, hieß es zu erst Mal das wir nur Freitags kommen dürften um unser Visum zu erhalten, was nach der Bemerkung von Eunice (die uns Begleitete) wir wären Mitarbeiter von „Casa do Menor“ plötzlich überhaupt kein Problem mehr war. Unsere Einrichtung erfreut sich also scheinbar eines guten und weit verbreiteten Rufes. Das heißt allerdings nicht dass ich jetzt ein Visum besitzen würde! Heute habe ich den halben Tag damit verbracht, einen Ausdruck aus dem Internet zu bekommen mit dem ich dann zur Bank musste, die mich 190 Reais (ca.85€) ärmer machte, Passfotos machen zu lassen sowie weitere Kopien meines Reisepasses. Werde dann mit allem Nötigen nächste Woche wieder nach Nova Iguaçu und dann hoffentlich mein Visum erhalten. Mein Vorläufiges reicht nämlich nur noch bis zum 15. Oktober und ich würde ganz gerne noch ein bisschen hier bleiben.

Am Samstag wollten wir in den Gottesdienst der Gemeinde und als wir dort ankamen war die Straße gesperrt, der Altarraum mit einer Band auf eine Open-Air-Bühne verfrachtet worden, Essensstände aufgebaut und die Gemeinde stand auf der Straße. Den ganzen Gottesdienst über hat die sehr gute Band in einer höllen (Wortwahl wie immer perfekt,…) Lautstärke Musik gemacht und alle haben getanzt und Gesungen. Es gab Showeinlagen und die Messe wurde übrigens von einem Schweizer Gehalten der hier in der Gemeinde Pfarrer ist. Grund des Spektakels war der Namenstag des Schutzpatrons von Kirche und Stadt „Sau Miguel“ (also Sankt Michael). Die Kirche hier ist so lebendig, da könnte sich die deutsche Fraktion mal eine Scheibe abschneiden. Dann würden bei uns vielleicht auch Alt und Jung auf der Straße tanzen,…

Gestern Abend dann der absolute Hammer: Moritz und ich hatten völlig Überraschend eine Einladung vom Dt. Konsulat in Rio de Janeiro erhalten, um den Tag der deutschen Einheit zu feiern. Da wir mit Frau eingeladen wurden, nahmen wir Eunice mit. Außerdem unseren Fahrer (Mann einer Mitarbeiterin von Casa do Menor), der uns zuerst mal eine geniale Fahrt nach Rio bescherte! Wir sind über 2 Stunden gefahren und auf der ganzen Strecke waren die Straßen von Häusern/Stadt umgeben. Die Dimensionen sind unfassbar!!! Habe noch nie so viele Autos gesehen. Auch habe ich dann zum ersten Mal die Christusstatue gesehen sowie den Zuckerhut, beides allerdings bei Nacht, sodass wir nicht viel erkennen konnten. Nach einer Irrfahrt durch Rio Zentrum (hatten zuerst die falsche Adresse) erreichten wir dann das Haus (besser Villa) des dt. Konsuls auf einem Berg direkt in Rio. Alle Gäste wurden persönlich begrüßt und wir waren natürlich total underdressed, den die ca. 200 Gäste waren alle in Abendgarderobe. Wir senkten den Altersdurchschnitt gewaltig, aber hatten riesig Spaß.
Die Feier fand auf der riesige Terrasse vor dem „kl. Schloss“ statt, und man hatte dort einen gigantischen Ausblick runter auf die Stadt, Zuckerhut. Also Rio bei Nacht, und um das ganze abzurunden gab es Klassische- und Jazzmusik und alle 2 Minuten kamen Kellner, die uns versorgten. Es gab ganz viel edle unterschiedliche Häppchen zu Essen, sowie feiner Whisky, brasilianisches Bier, allerlei Säfte und leckeren Wein aus der Pfalz und von der Mosel!!! Eine absolut unglaubliche Feier, Eunice erzählte heute Morgen schon allen ganz begeistert. Sie hat sich so gefreut mit uns dort zu sein, und hatte sich auch richtig schick gemacht.
Müdigkeit und Alkohol, ließen mich die Rückfahrt selig schlafen,…
Der Fahrer, Eunice, und der mit dem dezenten Laecheln, das bin ich,...


Rio bei Nacht, auch wenn (auf dem Foto) schlecht zu erkennen,...

Mein Versuch, die Kulisse zu Filmen,... (einfach draufklicken)
War das erste Mal das ich den krassen Klassenunterschied hier in Brasilien erlebt habe. Wenn man überlegt das wir dort so teuer und fein den Abend verbracht haben, und bei der Rückfahrt nur 1000 Meter entfernt (vom Haus des Konsuls) die Prostituierten gestanden haben, und direkt elend präsent war. Und sich meine Jungs anschaut, wie wir Essen und Leben. Echt bedenkenswert.
Wir mit Paula (war beruflich aus Brasilia bei uns),...

Beim Wochendendbier,...

Möchte euch aber an dieser Stelle nicht weiter aufhalten, merke gerade das ich mal wieder nicht aufhöre zu schreiben! Der nächste Bericht kommt bestimmt, ich denke an euch, Grüße aus Südamerika, euer Benni.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Benni,
ich hopffe dass du die ganzen Posts überhaupt immer lesen kannst, wegen Kürze der Zeit im Internetcafe und so...
Also das hört sich super an und die Fotos sind auch toll. Da habt ihr ja echt schon was erlebt. Mit Moritz aber auch den einheimischen Mitarbeitern verstehst du dich ja scheinbar gut. Und in der Botschaft, toll !
Gut, das mit den Klassenunterscheieden war nicht anders zu erwarten. Ist halt wesentlich krasser als hier. Und wenn man es dann noch sieht wie ihr jetzt.
Das habe ich auch schon von unseren Nachbarn, die in Kolumbien gelebt haben gehört. Kann man sich hier wohl kaum vorstellen, wenn man sich "lediglich" darüber aufregt, dass Hartz-IV -Empfänger kein Geld haben um ihre Kinder auf Klassenfahrten zu schicken bzw. ihnen nötige Schulmaterialien zu kaufen...
Du machst das sicher gut und dein portugiesisch ist bestimmt auch schon besser.
Viele liebe Grüße aus Kahl ! (auch unbekannterweise an deine ganzen Leutchens)

Anonym hat gesagt…

Hallo Ben,
unser Michaelsfest war wirklich todlangweilig! Die Kirche war fast leer am Rotweinfestsonntag und wir haben auch nicht schön gesungen.
Bei dir scheint ja einiges los zu sein. Deine Berichte sind wirklich sehr lebendig und interessant.
Am Montag schauen wir uns ja eure Kinder in MZ-Hechtsheim an, wir sind sehr gespannt.
Birgit ist ja sehr optimistisch, was dein Portugiesisch anbelangt; ich frage lieber nicht nach! Paula wollte dir eine Mail auf Portugiesisch schicken. Sie lässt dich herzlich grüßen.
Kuss Mama (Darf ich einen Kuss über den Blog schicken??)

Anonym hat gesagt…

Hallo "unser aller Jung" in der weiten Welt !!!

Vorab...typisch...Tante Biggi und Co. waren vor uns hier. Wollten doch auch mal den ersten Eintrag machen :-) . Naja, "..uhs Biggi" würde Opa nun wieder sagen...!

Hört sich ja alles sehr sehr spannend an. Wer hat sich den für euren Besuch bei den "Top-VIPS" eingesetzt?
Die Mühlen mahlen scheinbar sehr langsam in deiner heißen Heimat. Aber solange es nur kleine Angelegenheiten sind, die nicht zeitig eingehalten werden, so ist es noch egal. Allerdings hau rein, damit du nicht abgeschoben wirst.

Es ist so schön zu sehen, dass du dich wohl wohlfühlst und tolle Kontakte erlebst.
Für uns war es grad ganz toll kurz deine Stimme zu hören auf dem kurzen Video... richtig gut !!

Also lieber Benni... hau rein, nimm viele Eindrücke mit und lebe deine Kreativität aus wo es machbar ist ...

Toll, toll, toll ....

Bis die Tage ... "Holzauge sei auch immer schön wachsam!"

Alles Liebe T. Danny und P. Gehi

Anonym hat gesagt…

Hallo Benni,
keine Angst das du zuviel schreibst.Es ist schöner zu lesen wie jedes Buch, was so am anderen Ende der Welt so passiert.Hört sich so an als gäbe es viel zu tun und du lernst viele nette Menschen kennen.Mach weiter so, wir denken oft an dich
Petra,Hans-Josef,Barbara,Anna und Matthias

Anonym hat gesagt…

Hi Bruder,

ich lese die Berichte auch immer mit großer Begeisterung. Wenn es nach mir ginge, könntest du sogar noch mehr schreiben. die letzten Tage klingen ja super. Ich denke es ist gar nicht schlecht die verschiedenen Gesellschaftsschichten kennenzulernen, diese Eindrücke bringen einen auch im eigenen Denken und Handeln weiter.
Freue mich, wenn wir wieder telefonieren.

Dein Tobi.