Sonntag, 28. Oktober 2007

Sonntag, den 28. Oktober 2007

Einen wunderschönen Tag euch allen.

Wie ihr bei meinem letzten Eintrag sehen konntet, bin ich wieder auf den schon einmal beschrieben Hügel gestiegen, da die Sicht sehr gut war. Die Christusstatue konnte ich leider nicht erkennen, aber den Berg auf dem sie steht. Mann schaut also wirklich bis nach Rio Zentrum was in anbetracht der Tatsache, dass man so 1,5 Stunden bis dorthin fahren muss echt irre ist. Noch ein paar Fotos unserer Tour, weil es so unfassbar ist.






Das Wetter war diese Woche allerdings nicht immer so schön. Es hat fast die ganze Woche geregnet, was ganz ungewohnt war. Ich hatte schon erlebt, dass es in „Casa Renascer“ etwas reinregnet, was das aber heißt wenn es mal stärker regnet habe ich diese Woche erlebt.
Die obere Etage stand fast komplett unter Wasser, unten kam es teilweise durch die Decke, und die Veranda ist komplett undicht. Auch die Wände waren an vielen Stellen richtig feucht.Zwischen all den Fützen dann die Betten zu sehen, die so gerückt wurden, dass sie nicht nass werden, macht einen echt traurig, zumal wenn man sich die Fotos oben anschaut und davon ausgehen kann, das jedes 2te Haus ähnlich zu kämpfen hat.


Dem frisch gepflanzten Baum tat es gut,...
..., der Gluehbirne nicht,...
Die Veranda,...
Die Kueche,...


Die Jungs lassen sich die Stimmung dadurch bewundernswerter Weise nicht verderben,...
Habe für „Casa do Menor“ eine CD gebrannt mit ganz vielen Fotos von den undichten Stellen und den Auswirkungen, da dort dringend etwas gemacht werden muss. Bei uns in der Pousada hat es auch Stellenweise reingeregnet, aber mein Zimmer ist bis auf ein wenig im Bad trocken geblieben.

An diesem Tag haben Moritz und ich für die Jungs mal deutsch gekocht. Wir waren groß einkaufen und haben dann in leicht abgeänderten Versionen Folgendes für die Jungs zubereitet:
Schnitzel mit Bratkartoffeln, Nudelsalat sowie warme Brötchen mit selbst gemachter Kräuterbutter.
Fragen wie „Kocht ihr jetzt jeden Tag?“, zeigten das es unseren Kids sehr gut geschmeckt hat, und es sich gelohnt hat zu kochen während neben einem das Wasser durch die Decke kam.

Am Donnerstag gab es dann eine große Messe in unserer Kapelle, da wir ja 21jähriges Bestehen feiern und die Kinder wieder aus Europa zurückgekommen sind. Habe auch wieder Musiziert. Danach gab es ein großes Frühstück für alle. Dort stand dann auch ein Fernseher wo gezeigt wurde, wie Pe Renato mit dem Papst spricht und Papst Benedikt während einer der großen Messe die man manchmal im Fernsehen sieht „Casa do Menor“ persönlich grüßte.
War wohl ein sehr einprägsames Erlebnis für die Kinder/Jugendlichen während ihrer Tour.

Gestern gab es in der Nähe ein großes Bingospiel von „Casa do Menor“ mit bestimmt 250 Menschen. Dazu gab es viel Essen und Trinken. Habe bescheidenerweise gleich mal einen DVD-Player mit Karaokemikrofon gewonnen,…

Auch wurde das Stück aufgeführt, das die Kinder in Europa präsentiert haben. Darin wurde die Geschichte Brasiliens nachgestellt, und die Probleme der Kinder verdeutlicht. Es wurde viel getanzt, gesungen, getrommelt, und ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut, weil es echt sehr ergreifend und drastisch vorgetragen wurde.

Soviel an dieser Stelle, bis zum nächsten Mal, euer Benjamin

Samstag, 27. Oktober 2007

Samstag, den 27. Oktober 2007

Ein kleiner Eindruck vom Slumguertel rund um Rio in dem ich wohne und der den Namen treagt. Weiteres dazu in meinem naechsten Bericht aber das Foto und das Viedeo zeigen recht Imposant die unglaublichen Weiten.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Montag, den 22. Oktober 2007

Wieder ein Woche vergangen, wieder vieles erlebt,…hier bin ich wieder:
Zuerst einmal ein paar Impressionen aus meinem Leben diese Woche mit den Jungs von „Casa Renascer“.

Habe verstärkt gemerkt, das die Jungs insbesondere die beiden Jüngsten es sehr genießen ein bischen (körpeliche)Nähe zu spüren. Jonathan und Jairo (die beiden Jungs die ich auf dem Foto des letzten Berichtes über der Schulter habe) kommen sehr oft zu einem und drücken einen, oder sagen das man sie nicht kitzeln soll (was natürlich heißt das sie unbedingt wollen). Am Anfang waren sie gar nicht so extrem „anschmiegsam“ und man merkt richtig wie sie Vertrauen entwickelt haben. Habe in diesen Momenten zum ersten Mal bewusst darüber nachgedacht, das die Jungs ja gar keine Eltern haben die sie mal in den Arm nehmen würden und bestätigen,…

Bin mit Jonathan durch die Stadt gefahren (ich habe mir ein Fahrrad gekauft und er hinten auf dem Gepäckträger). Wir haben Fotos abgeholt, da ich von jedem Jungen ein Foto mit Moritz oder mir nachgemacht habe und ein großes Gruppenbild für das Haus. Wir haben „gesungen“, dass heißt die Interpretationen von den englischen Texten der Lieder aus dem Radio. Es ist immer so lustig wenn die Jungs loslegen, da sie natürlich überhaupt kein Englisch sprechen. Auf jeden Fall haben wir einen riesigen Spaß gehabt und Jonathan hat so goldig gequietscht. Einfach der Hammer.

Moritz und ich haben Luftballons gekauft und zu Wasserbomben umfunktioniert. Die Jungs (selbstverständlich inklusive Pai-Social) waren selbstverständlich begeistert. Eimer, Flaschen, Luftballons, also alles was man so mit Wasser füllen kann wurde auch benutzt. Wir haben bestimmt eine Stunde eine riesige Wasserschlacht gemacht und es sah aus wie sau als wir fertig waren. Der Spaß allerdings war es wert. Haben dann singender Weise saubergemacht.

Das klingt jetzt alles sehr banal und natürlich ist es das auch, aber es sind diese ganzen Kleinigkeiten die den Jungs und mir soviel Spaß machen, und die einem immer wieder zum Lachen bringen. Ist natürlich schwer nachzuvollziehen wenn man die Dinge nicht miterlebt, aber wir haben uns diese Woche so oft einfach nur noch gekringelt vor Lachen, weil irgendeiner Laute von sich gibt, versucht englisch, italienisch, deutsch oder portugiesisch zu sprechen, verrückt durch die Küche tanzt und ähnliches. Macht auf jeden Fall einen riesigen Spaß und ich genieße die Zeit sehr. Auch weil ich in 2 Wochen, voraussichtlich das Haus wechseln werde. Vermisse die Jungs schon jetzt, aber man sieht sich ja weiterhin.


Diese Woche wird „Casa do Menor“ 21 Jahre alt. Das haben wir am Samstag schon mal in der „CIDAH“ gefeiert. Es gab Präsentationen und ich habe mit der Band wieder gespielt.
Am Tag davor habe ich mit Moritz geholfen alles klar Schiff zu machen, und wir haben mit kleinsten Besen das riesige Gelände gefegt, was totaler Quatsch war, da am nächsten Tag alles noch viel Schlimmer aussah und es sowieso keinem aufgefallen ist.Unser Bassist,...
Meine Percussiontruppe,...

Die CIDAH,...
Die Band,...
Der Pool in der CIDAH,...

Zur „CIDAH“ bin ich auch am Sonntag gegangen und habe dort mit ein paar Kindern gewartet, aber da nach einer Stunde immer noch nicht der Mann mit dem Schlüssel kam, fiel es dann aus. Im Nachhinein ist mir aufgefallen das das in Deutschland undenkbar wäre, aber ich habe mich an brasilianische Verhältnisse schon ganz gut gewöhnt. Das ist das schöne das man jeden Tag aufwacht und immer anders kommt als man denkt. Wenn man es locker angeht dann ist es sehr erfrischend und nicht anstrengend.

Gestern, ist Pe Renato wieder gekommen, den ich bisher ja nur in Deutschland kennen gelernt habe. Er war einen Monat mit Kindern von uns auf einer Tour durch Italien und Deutschland um mit einer Show auf die Probleme der Straßenkinder aufmerksam zu machen. Da Pe Renato ja der Gründer von „Casa do Menor“ ist, bin ich mal gespannt ob sich hier jetzt etwas ändert. Mehr dazu dann nächste Woche,…

Das war es für das Erste, ich hoffe es geht euch allen gut, euer brasilianischer Freund, Benjamin.

Auch in Brasilien regnet es mal,...

PS: Im Folgenden könnt ihr den Monatsbericht lesen, den ich monatlich an meinen Träger und die Partnergemeinde schreiben werde. Darin geht es eher um meine Arbeit als um meine persönlichen Eindrücke, da diese ja in diesem Blog bearbeitet werden. Also wer Lust hat, ihr seid eingeladen:
Monatsbericht:

Nach kurzer Eingewöhnungszeit und einer „Führung“ durch alle Häuser und Einrichtungen von „Casa do Menor“ (in Miguel Couto und Tingua), habe ich, nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen, vereinbart im ersten Monat in „Casa Renascer“ zu arbeiten.
Moritz arbeitet zurzeit mit mir zusammen dort. Ziel war und ist es, die Sprache zu erlernen und zu verbessern, sowie uns an den Lebensrhythmus von „Casa do Menor“ zu gewöhnen, damit wir uns danach gezielter und somit besser einbringen können.

„Casa Renascer“ (Haus des Wiederauflebens) bietet zurzeit 14 Jungen zwischen 12 und 17 Jahren ein Zuhause. Die Jungs haben mich sehr gut aufgenommen bzw. akzeptiert. Die Sprachbarriere ist nicht so hinderlich wie ich anfangs dachte. Im Wesentlichen lebe ich mit den Kindern mit. Wir spielen Fußball, unterhalten uns, beten und essen zusammen. Lachen und machen allen möglichen Kram. Ich helfe ein bisschen in der Küche und bei der Pflege um das Haus, wobei ich, auch in anbetracht der Tatsache das es nicht so viel zu tun gibt, nie das Gefühl hatte ich leiste gerade meine Arbeit (bzw. meinen Ersatzdienst).
Ich war Anfangs ein wenig deprimiert, da ich das Gefühl hatte mich nicht richtig einbringen zu können und es nicht wirklich viel „Arbeit“ zu erledigen gab.
Die Worte die PeRenato zu mir sagte, als ich ihn zum ersten Mal in Dieburg begegnete, halfen mir meine eigentliche Arbeit zu schätzen. Er sagte Sinngemäß, „Fühlt euch nicht als würdet ihr zur Arbeit gehen. Bringt einfach all eure Liebe mit, schenkt und lebt sie mit den Kindern.“.
Und wirklich, ich merke richtig wie die Jungs die zusätzliche Aufmerksamkeit genießen und auch brauchen. Wenn zum Beispiel die beiden Jüngsten zu mir kommen, einen fest drücken oder gekitzelt werden wollen, merke ich richtig dass sie die (körperliche) Nähe sehr genießen. Auch die Ältern freuen sich immer einen zu sehen, man Lacht zusammen, ich schenke ihnen Aufmerksamkeit, respektiere sie und zeige ihnen dass Sie mir nicht egal sind. Ich bin mir sicher, dass es für sie sehr viel bedeutet, das zu spüren. Das ihnen Kleinigkeiten gut tun, wenn ich zum Beispiel für jeden ein Foto mitbringe auf denen sie mit Moritz oder mit zu sehen sind, und sie merken das man an sie denkt.
Ich arbeite jetzt seit 5 Wochen dort und werde noch 2 Weitere dort arbeiten. Danach habe ich angefragt in „Casa Angelo“ arbeiten zu dürfen, welches kleinere Jungs betreut. Ich habe das Gefühl das ich mich dort momentan nützlicher machen kann, auch wenn ich unbedingt wieder mal in Casa Renascer arbeiten möchte. Man vermisst die Jungs ja schon bei dem Gedanken, das Haus zu wechseln.
Des Weiteren spiele ich Schlagzeug in den Messen, oder z.B. bei der 21. Jahrfeier
von „Casa do Menor“. Es macht mir sehr viel Spaß mit der Band zu üben und zu spielen.
Ansonsten Lebe ich hier einfach das Leben mit. Gehe morgens in die Morgenandachten, feiere die Feste von „Casa do Menor“ mit, und helfe wo gerade Arbeit anfällt.

Zu mir persönlich ist zu sagen, dass ich es momentan sehr genieße Teil dieser unglaublich wichtigen und warmherzigen Gemeinschaft zu sein. Es ist schön zusehen das die Arbeit
Früchte trägt und so vielen Kindern helfen kann. Meine Arbeit, die von mir nicht als Solche wahrgenommen wird, macht mir sehr viel Freude. Es sind die Kleinigkeiten die mir und den Jungs ein Lächeln auf die Lippen zaubern, und in denen man merkt, das man einfach dazugehört und nicht stur seine Pflicht erfüllt. Die Sprache wird langsam besser, wobei das verstehen schon ganz gut funktioniert, und der Rest oft durch Körpersprache kompensiert werden kann. Es ist auf jeden Fall schon jetzt eine sehr lehrreiche und intensive Zeit für mich, und ich bin sehr dankbar diese Chance bekommen zu haben.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Mittwoch, den 17. Oktober 2007

Hallo Zusammen:

Am 12. Oktober war „Dia de Crianças“ (Also Tag der Kinder). Da Dieser für die Mitarbeiter von „Casa do Menor“ arbeitsfrei ist, haben wir schon am Tag davor eifrig gefeiert:
Alle Kinder die in unseren „Casas“ leben, kamen zu unserem Zentrum. Dort gab es kleine Spielchen, einen Haufen Süßigkeiten und einen riesigen Kuchen. War sehr schön zu sehen wie viel Spaß die Kinder hatten und auch mal zu erleben wie vielen Kindern unsere Einrichtung helfen kann. Hätte gerne Fotos gemacht, da es ein riesiges Durcheinander war und alle Clownsnasen und Papierhütchen trugen. Bin allerdings noch sehr vorsichtig, mit dem benutzen uns zeigen der Kamera. Am 12. bin ich dann mit Moritz trotz freiem Tag zu „Casa Renascer“ gegangen, wo ich dann folgende Fotos schießen konnte: Meine Kinder und Betreuer in Casa Renascer (es fehlen 3 Kinder),...

Unser Fussballplatz,...
Hier bringe ich den Jungs die kuenstlerische deutsche Spielweise bei,...
Die 2 Juengsten, Jonathan (vorne) und Jairo (hinten),...
Die brasilianische Variante von ,...
Nachmittags fand dann ein ausgelassenes Straßenfest für die Kleinen statt. Bei uns hätte man mehrere Straßen gebraucht um so viele Kinder zusammen zu kriegen! Ich habe in meinem Portugiesischlernbuch gelesen das beinahe 50% der brasilianischen Bevölkerung unter 25 Jahre alt bzw. jung sind. Die vielen jungen Menschen sind immer und überall zu sehen, auch deshalb weil sich das Zusammenleben scheinbar auf der Straße abspielt. Wir haben hier in der Nähe der „Pousada“ eine Grundschule, und man kann nur hoffen, dass es die großen Schwestern und nicht die Mütter sind, die die Schulkinder abholen. Einer meiner Jungs hat zum Beispiel 10 Geschwister (Ein Bruder ist allerdings im „Traffico“ [so nennt man den Drogenhandel und die damit verbundenen Bandenkämpfe] umgekommen).

Generell wird einem nur manchmal klar, was die Kinder oder Jugendlichen mit denen ich tagtäglich zusammen bin schon alles erleben mussten und teilweise auch schon gemacht haben. Was für Schicksalsschläge sie nach „Casa do Menor“ gebracht haben, erfährt man nur sehr bruchstückhaft.

Wir haben heute 2 neue Jugendliche (Wagner 15 und Marcus 13 Jahre alt) nach „Casa Renascer“ bekommen. Ganz liebe Jungs, aber man merkt, dass sie noch sehr unsicher sind. Sie haben zuvor, wie die meisten Jungs, auf einem großen Gelände in der Nähe gelebt. Dort gibt es ein Haus für geistig behinderte Kinder, eine Schule, Wohnhaus u.s.w. Dort kommen die Jungs für ein paar Monate hin, wenn sie, wie auch immer, von „Casa do Menor“ aufgenommen werden. Es gibt dort auch Drogenentzugsangebote. Ich werde euch in ein paar Monaten näher von diesem Gelände erzählen, denn ich möchte unbedingt dort arbeiten. Da allerdings die Arbeit mit den Neuankömmlingen nicht ganz unproblematisch ist, möchte ich etwas gefestigter in der Sprache sein, bevor ich dort starte.
Aber, um nicht auszuschweifen, ich freue mich sehr die beiden kennen zu lernen. War wieder so ein Moment wo man feststellt, das man ja nicht eine Familie besucht, sondern mit vom Leben wild zusammen gewürfelten, gestrandeten Kindern arbeitet.

Sonntags waren wir, dann noch bei einem „Grande Almoço“ (Großem Mittagessen), das eine Kirchengemeinde veranstaltete in der unser Ausbilder der Elektriker Mitglied ist. Wir fuhren mit einem alten VW-Bus (von dem ich bis jetzt noch nicht weiß, ob Taxi oder Omnibus) dorthin, ohne Anschnaller, und ich bin gespannt wann ich nicht mehr staune, wenn ich hier durch die Gegend fahre. Gigantisch.
Typische Strasse hier in Miguel Couto (die Hauptsrassen sind aber asphaltiert),...
Unser Taxi,...
Freue mich übrigens immer wieder über eure vielen Nachrichten (in welcher Form auch immer). Toll eine solche Unterstützung und so ein Interesse zu spüren!
Bis zum nächsten Mal, euer Benni.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Mittwoch, der 10. Oktober 07

An alle treuen Leser, folgende Highlights der letzten Tage:

Jeden ersten Freitag des Monats findet für alle Verantwortlichen und Mitarbeiter von „Casa do Menor“ ein, nennen wir es „Besinnungs- und Informationstag“ statt. Als freiwillige Unterstützung des Projekts war ich selbstverständlich mit von der Partie. Den Morgen verbrachten wir in der Kapelle, zum Singen, Beten und arbeiten in der Gruppe (Jeder Gruppe war eine Farbe zugeteilt und wir sollten uns dann Gedanken machen was wir mit dieser Farbe verbinden und auch darstellen. Erklärt einmal in portugiesischer Sprache, was die Farbe Rot für euch bedeutet,…sehr amüsant!) Das tolle war, dass ich gefragt wurde ob ich die Lieder mit dem Schlagzeug begleiten wolle. Und ich spielte zusammen mit einem Bassisten, unserem „Hofgitarristen und Sänger“ sowie einer super Sängerin, bestimmt 10-15 Lieder (von denen wir nur 4 geübt hatten). Das hat so Spaß gemacht, und die Menschen haben, typisch brasilianisch, mitgetanzt, gesungen und geklatscht. Nach dem Mittagessen haben wir uns dann wieder getroffen und haben in 2 Gruppen ein Pantomimespiel gemacht. Ihr könnt euch nicht vorstellen was für eine Stimmung zustande kam. Es wurde lachender Weise geflucht, beschimpft, verteidigt und aufgesprungen,… Toll wie sich 50 Erwachsene für Süßigkeiten (der Preis) ins Zeug legen.

Am Sonntag war ich wieder in der „Cidah“ (Kulturzentrum von Casa do Menor), wo ich mich mit Moritz und ca. 25 Kindern bei 35 Grad im „Pool“ abkühlte. Ein ganz putzige kleines Mädel, was mich erstaunlicher Weise mit meinem Namen anredete obwohl ich sie vor 3 Wochen einmal kurz gesehen hatte, war auch da. Ich kam auf die glorreiche Idee sie auf die Schultern zu nehmen und gegen die Jungs „Reiterkämpfchen“ zu veranstalten. Ein riesiger Spaß, aber ich spüre noch jetzt meinen Nacken wenn ich den Kopf wende.
Auch habe ich in der Percussiontruppe die brasilianische Nationalhymne gelernt.

Montags bin ich mit ein paar meiner Kinder, Diego (ein Pai-social von Casa Renascer) und Moritz auf einen Berg in der Nähe gelaufen. Von dort hat man bei guter Sicht einen Blick bis Rio de Janeiro + Meer. Diese hatten wir leider nicht, aber man konnte dennoch sehr weit blicken. Egal in welche Richtung man sich gedreht hat, nur Häuser, Häuser, Häuser zwischen und auf den unzählbaren Hügeln. Auch Nova Iguaçu konnte man sehen. Habe da zum ersten Mal eine ungefähre Vorstellung der Dimension bekommen, die sich schon bei der Fahrt nach Rio bemerkbar gemacht hat. Wenn man überlegt, das außerhalb von Nova Iguaçu keiner Miguel Couto kennt, was so groß ist wie Mainz. Gehe auf jeden Fall noch ein paar Mal dort hinauf, auch wenn es etwas anstrengend war. Bei guter Witterung, kann man wohl sogar die Christusstatue sehen!

Außerdem habe ich die Haare, von einer der Professorinnen geschnitten bekommen, die hier die Friseurausbildung in „Casa do Menor“ leitet. Ein Abenteuer, zu erklären was man eigentlich möchte, was mir eine gewisse Ähnlichkeit mit „Prinz Eisenherz“ verschafft hat.
Bin dennoch froh, weil die richtig langen Haare bei dieser Hitze einfach nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, „tragbar“ sind. Jetzt kann mein Nacken wenigstens auch mal Sonnenbrand bekommen.
Ohne Ventilator im Zimmer ginge es nicht,...

Heute habe ich außerdem endlich mein Visum erhalten, nachdem wir noch mal zur „Policia Federal“ gefahren sind. Dort haben wir auch einen der 2 österreichischen Pfarrer getroffen die hier in Miugel Couto arbeiten. War sehr interessant. Anschließend sind wir durch das Zentrum von Nova Iguaçu gelaufen. Unzählige Geschäfte und Menschen. Märkte mit Fisch, Obst, Gemüse und Feisch. Illegalen Raubkopien, und Kokusnussstände. Ein riesiges Gewusel, und mittendrin bei 34 Grad und mit langer Hose (Eunice sagte das wäre bei der Polizei angemessen,…) meine Wenigkeit. Was soll man da noch sagen?
Dank disem Papierwisch darf ich hier ein Jahr leben,...

Prinz, mit Fahne und Visum,...
Zu mir persönlich:
Mir ist aufgefallen, dass ich schon total selbstverständlich durch die Gegend laufe. Auch wenn ich manchmal noch aufwache und denke, „Du bist gerade wirklich in Brasilien“, fühlt es sich doch schon alles sehr vertraut und gut an.

Denke dennoch oft und gerne an Zuhause, bzw. euch,
ich verbleibe mit freundlichen Grüßen, ihr Prinz Eisenherz.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Sonntag, den 7. Oktober 07

Also hier mal ein Eindruck vom lebendigen Erzaehlstil der Eunice,...

Macht immer Spass ihr zu lauschen, da man sie ganz gut verstehen kann.

Moritz und ich sind uebrigens nicht gelangweilt sondern muede!!!

Freitag, 5. Oktober 2007

Freitag, den 5 Oktober 07

Einen sonnigen Gruß aus Brasilien.

Damit ihr euch mal vorstellen könnt, wie „Casa Renascer“ (also meine Wirkungsstätte)
so aussieht zuerst mal vor meinem Bericht ein paar Impressionen:
Marcello (Pai-Social), Moritz, und eines meiner Kinder Romulho
Der Platz wo ich den Brasilianern zeige wie verkrampft Dt. spielen,...
Eines der Zimmer der Jungs,...
Fast von jedem dieser Baeume kann man irgendeine exotische Frucht essen,...

Nach diesen Bildern mal zu den wichtigen Ereignissen:
Also das wichtigste ist natürlich das unsere Frauenfußballmannschaft gegen mein Gastland die Weltmeisterschaft gewonnen hat :) Hatten uns mit den Jungs aus unserem Haus verabredet bei ihnen das Spiel anzuschauen (Sonntag, 9 Uhr morgens), und als wir mit brasilianischer Verspätung eintrafen waren die Jungs tatsächlich schon das Spiel am schauen. Eine viertel Stunde später verschwanden sie allerdings zum Fußballspielen in der „Cidah“ und wir schauten das Spiel mit dem „Sozialvater“ zu Ende. Frauenfußball scheint hier also ähnlich wie bei uns noch nicht so den stellenwert zu haben, glaube kaum das die Jungs vor 5 Jahren als unsere Männer im Finale standen aufgestanden wären,…
Mit Verabredungen in Brasilien, ist das übrigens generell nicht so verbindlich. Haben jetzt schon ein paar Mal mit Brasilianern Termine ausgemacht, was dann nicht zwingend heißt das sie auch erscheinen. Bisher haben wir es gelassen genommen, da es nie um etwas Wichtiges ging, aber es ist schon ungewohnt, das nicht mal telefonisch abgesagt wird oder so.
Heute Morgen ging es dann nach wiederholten Anläufen zur „Policia Federal“ (Bundespolizei), die hier unter anderem für mein Jahresvisum zuständig ist. Es ging also zuerst mal mit dem Bus 20-30 Minuten von unserem Stadtteil bzw. Vorort Miguel Gouto (180 ca. tausend Einwohner) in die Stadt Nova Iguaçu (ca. 1,2Millionen Einwohner). Die Fahrt war ziemlich holprig was an 3 Dingen liegt: Erstens sind die Straßen mit Schlaglöchern übersäht, zweitens, gibt es keine Haltestellen stattdessen strecken alle 500 Meter Menschen die Hand aus die gerne mitfahren möchten, und drittens natürlich die brasilianische Fahrmentalität, bei der selbst die Italiener blass werde würden. Dennoch war die Fahrt ziemlich interessant um einmal einen Blick auf einen Bruchteil der riesigen Stadt zu erhaschen, in der so viel Menschen wuseln. Überall kleine, große Läden, hunderte von kirchenähnlichen Einrichtungen, Straßenstände, Verkehr, tausende Pflanzen und Bäume,…
Bei der „Policia Federal“ angekommen, hieß es zu erst Mal das wir nur Freitags kommen dürften um unser Visum zu erhalten, was nach der Bemerkung von Eunice (die uns Begleitete) wir wären Mitarbeiter von „Casa do Menor“ plötzlich überhaupt kein Problem mehr war. Unsere Einrichtung erfreut sich also scheinbar eines guten und weit verbreiteten Rufes. Das heißt allerdings nicht dass ich jetzt ein Visum besitzen würde! Heute habe ich den halben Tag damit verbracht, einen Ausdruck aus dem Internet zu bekommen mit dem ich dann zur Bank musste, die mich 190 Reais (ca.85€) ärmer machte, Passfotos machen zu lassen sowie weitere Kopien meines Reisepasses. Werde dann mit allem Nötigen nächste Woche wieder nach Nova Iguaçu und dann hoffentlich mein Visum erhalten. Mein Vorläufiges reicht nämlich nur noch bis zum 15. Oktober und ich würde ganz gerne noch ein bisschen hier bleiben.

Am Samstag wollten wir in den Gottesdienst der Gemeinde und als wir dort ankamen war die Straße gesperrt, der Altarraum mit einer Band auf eine Open-Air-Bühne verfrachtet worden, Essensstände aufgebaut und die Gemeinde stand auf der Straße. Den ganzen Gottesdienst über hat die sehr gute Band in einer höllen (Wortwahl wie immer perfekt,…) Lautstärke Musik gemacht und alle haben getanzt und Gesungen. Es gab Showeinlagen und die Messe wurde übrigens von einem Schweizer Gehalten der hier in der Gemeinde Pfarrer ist. Grund des Spektakels war der Namenstag des Schutzpatrons von Kirche und Stadt „Sau Miguel“ (also Sankt Michael). Die Kirche hier ist so lebendig, da könnte sich die deutsche Fraktion mal eine Scheibe abschneiden. Dann würden bei uns vielleicht auch Alt und Jung auf der Straße tanzen,…

Gestern Abend dann der absolute Hammer: Moritz und ich hatten völlig Überraschend eine Einladung vom Dt. Konsulat in Rio de Janeiro erhalten, um den Tag der deutschen Einheit zu feiern. Da wir mit Frau eingeladen wurden, nahmen wir Eunice mit. Außerdem unseren Fahrer (Mann einer Mitarbeiterin von Casa do Menor), der uns zuerst mal eine geniale Fahrt nach Rio bescherte! Wir sind über 2 Stunden gefahren und auf der ganzen Strecke waren die Straßen von Häusern/Stadt umgeben. Die Dimensionen sind unfassbar!!! Habe noch nie so viele Autos gesehen. Auch habe ich dann zum ersten Mal die Christusstatue gesehen sowie den Zuckerhut, beides allerdings bei Nacht, sodass wir nicht viel erkennen konnten. Nach einer Irrfahrt durch Rio Zentrum (hatten zuerst die falsche Adresse) erreichten wir dann das Haus (besser Villa) des dt. Konsuls auf einem Berg direkt in Rio. Alle Gäste wurden persönlich begrüßt und wir waren natürlich total underdressed, den die ca. 200 Gäste waren alle in Abendgarderobe. Wir senkten den Altersdurchschnitt gewaltig, aber hatten riesig Spaß.
Die Feier fand auf der riesige Terrasse vor dem „kl. Schloss“ statt, und man hatte dort einen gigantischen Ausblick runter auf die Stadt, Zuckerhut. Also Rio bei Nacht, und um das ganze abzurunden gab es Klassische- und Jazzmusik und alle 2 Minuten kamen Kellner, die uns versorgten. Es gab ganz viel edle unterschiedliche Häppchen zu Essen, sowie feiner Whisky, brasilianisches Bier, allerlei Säfte und leckeren Wein aus der Pfalz und von der Mosel!!! Eine absolut unglaubliche Feier, Eunice erzählte heute Morgen schon allen ganz begeistert. Sie hat sich so gefreut mit uns dort zu sein, und hatte sich auch richtig schick gemacht.
Müdigkeit und Alkohol, ließen mich die Rückfahrt selig schlafen,…
Der Fahrer, Eunice, und der mit dem dezenten Laecheln, das bin ich,...


Rio bei Nacht, auch wenn (auf dem Foto) schlecht zu erkennen,...

Mein Versuch, die Kulisse zu Filmen,... (einfach draufklicken)
War das erste Mal das ich den krassen Klassenunterschied hier in Brasilien erlebt habe. Wenn man überlegt das wir dort so teuer und fein den Abend verbracht haben, und bei der Rückfahrt nur 1000 Meter entfernt (vom Haus des Konsuls) die Prostituierten gestanden haben, und direkt elend präsent war. Und sich meine Jungs anschaut, wie wir Essen und Leben. Echt bedenkenswert.
Wir mit Paula (war beruflich aus Brasilia bei uns),...

Beim Wochendendbier,...

Möchte euch aber an dieser Stelle nicht weiter aufhalten, merke gerade das ich mal wieder nicht aufhöre zu schreiben! Der nächste Bericht kommt bestimmt, ich denke an euch, Grüße aus Südamerika, euer Benni.