Donnerstag, 24. Januar 2008

Mittwoch, den 23. Januar 2008

Nach etwas längerer Zeit wieder ein Lebenszeichen:

Hallo ihr Lieben. Das neue Jahr steht dem Ereignisreichtum des Alten scheinbar in nichts nach, und so ging es am 9. Januar ohne Verschnaufpause direkt an den internationalen Flughafen von Rio. Nach zwei Stunden mit „Webjet“ (angenehmeres Ryanair) landeten wir in Salvador (mit 2,5 Millionen Einwohnern die 4. größte Stadt Brasiliens).

Dort wurden wir am Flughafen abgeholt und zur „Pousada Barroco“ gebracht die die nächsten 2 Nächte unsere Unterkunft darstellte. Nachdem wir einen ca. 1,5 Kilometer langen Tunnel der ausschließlich aus Bambus der am Fahrbahnrand wächst entstanden ist passiert hatten lies die halbe Stunde Fahrt zur Pousada einen ersten Eindruck von Salvador entstehen. Das riesige Rio muss bleibenden Eindruck hinterlassen haben, den Salvador kam mir irgendwie richtig Klein vor. Sehr viel Platz und Grünflächen, beinahe gemütlich.
Die Pousada, ist das Projekt eines dt. Pfarrers, der zufälligerweise mit Pfarrer Vogel meiner Endsendergemeinde „St. Wolfgang“ in Dieburg das Priesterseminar in Mainz absolviert hat.
(Die Welt ist ein Dorf,…). Die wirklich tolle Unterkunft dient dazu das eigentliche Projekt “Barroco no Bahia“ zu finanzieren, das sich darum kümmert das sakrale Musik in Salvador wieder an Bedeutung gewinnt.
Die Pousada,...

Am ersten Abend machten wir uns dann zu dem von der Unesco zum „Kulturerbe der Menschheit“ erklärten Stadtteil „Pelourinho“ auf. Auch wenn es nur 5 Minuten Fußweg bedeutete war ich sehr erleichtert als wir den polizeiüberwachten Stadtteil erreichten. Leider ziehen die vielen Touristen in einem der ärmsten Bundesstaaten Brasiliens (Bahia) viele Taschendiebe und Kriminelle an. Da kenne ich zwar aus Rio auch, doch die vielen Warnungen und das „Nicht einschätzen können der Situation“ hinterließ bei diesem abendlichen Rundgang durch ein sehr schönes Viertel einen bitteren Nachgeschmack.4 Bilder von Pelourinho,...


In der Nähe der Pousada ließen wir den Abend in einer nicht wirklich schön gelegenen Kneipe ausklingen. Dennoch fühlten wir uns, nicht mehr im touristischen Zentrum, zwischen all den Brasilianern die neben uns vor der Kneipe Platz genommen hatten sichtlich wohler.
Nach einem reichhaltigen Frühstück in der Pousada machten wir uns dann am nächsten Morgen auf, den „Pelourinho“ richtig zu erkunden. Dort angekommen stellte ich fest dass ich meinen Reiseführer vergessen hatte, was euch jetzt zwar weitere „einschläfernde“ Fakten erspart, doch uns sehr geärgert hat. Ich hatte zumindest einen kopierten Stadtplan dabei, sodass wir uns orientieren konnten. Wir schlenderten also durch „Pelourinho“ und fuhren dann mit dem berühmten Aufzug von der Ober- in die Unterstadt.
Der Aufzug,...

Von dort ging es dann mit einem Schiff auf Reisen, wobei wir nicht wussten wo wir hinfuhren, sondern einfach Fahrkarten gekauft hatten. Nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir auf „Itaparica“ an. Einer schönen Insel, von der wir an einer Strandbar die Aussicht auf die „Skyline“ von Salvador genossen. Nach der Rückfahrt gönnten wir uns noch ein typisches lokales Fischgericht und ich mir eine schöne, stabile Hängematte.

So muss das aussehen,...
Die unbekannte Insel,...
Skyline von Salvador,...
Da da rechts, das bin ich,...
Am nächsten Tag ging es dann zum eigentlichen Grund unseres Kommens. Dem Zwischenseminar. Mit 24 anderen Deutschen die ebenfalls in Brasilien (und einer in Bolivien) einen sozialen Dienst verrichten, 8 Tage über alles sprechen was einen beschäftigt (Projekte, Umgang mit Extremsituationen, Kulturschock, Was kommt nach dem Auslandsjahr,…).
Wie das wichtige Vorbereitungsseminar in Köln wurde auch dieses Seminar von „fid“ geleitet die sich auf Freiwilligendienste spezialisiert haben. Es macht nicht viel Sinn das Seminar in Worte zu packen, nur soviel: Es hat sehr gut getan mit faszinierenden Menschen die im selben Boot sitzen Zeit zu verbringen und ein bisschen zur Ruhe zu kommen.
Hinzu kommt das der Seminarort 100 Meter von einem mit Palmen gesäumten Bilderbuchstrand lag, sodass man in den Pausen oder vor dem Frühstück in die Fluten springen konnte (oder alternativ in meiner neu erstandenen Hängematte mit Meerblick lesen konnte.). Habe recht viele Fotos auf DVD aber mein PC weigert sich diese Abzuspielen, sodass ich vorerst nur diese 2 Fotos reinstellen kann:
Blick vom Eingang der Unterkunft,...
Bei der Abreise,...

Nach einer anstrengenden, intensiven Woche ging es dann zusammen mit Christoph (Freiwilliger in Bolivien) via super Omnibus 1600 Kilometer die Küste runter in meine „Heimatstadt“ Rio de Janeiro. Dazu brauchten wir 15-mal so lang wie für die Hinreise mit dem Flugzeug, nämlich 30 Stunden. Es war aber toll ein bisschen von dem Land zu sehen in das Deutschland 24-mal reinpassen würde. Eine beeindruckende Landschaft und ich weis schon jetzt dass dies nicht meine letzte Langstrecke per Bus in Brasilien sein wird.

Da wir um 22 Uhr in Rio ankamen, 3 Stunden später als erwartet, und mit unseren Rucksäcken um diese Uhrzeit durch den Busbahnhof zu laufen reiner Selbstmord bedeutet. Fuhren wir mit dem Taxi in unsere Einrichtung in Rio selbst. Dort wurden wir auch herzlich empfangen. Zu meiner Überraschung auch von meinen Kindern aus „Casa Angelo“ die dort zurzeit „Ferien“ machen. Ich habe mich besonders gefreut ein strahlendes Lächeln von Ruan (10 Jahre) zu ernten, da er am letzten Tag vor meiner Fahrt nach Salvador 3-mal, in Folge seiner Epilepsieerkrankung, zusammengebrochen ist was mich ziemlich bewegt hat.
Da weiß man wieder warum man hier ist und ich freue ich mich wieder loslegen zu können, auch wenn ich momentan nach ans „Bett gefesselt“ bin um meine Grippe auszukurieren.
Werde voraussichtlich Ende dieser Woche wieder anfangen zu Arbeiten. Habe die Kinder richtig vermisst.

Hoffe ich habe keinen mit den vielen Zahlen und Fakten erschlagen,
bis zum nächsten Mal, euer Benni.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Der Kalender wurde ausgetauscht, folglich habe ich Silvester an der Copacabana überlebt.
Vom „reinrutschen“ bei über 30 Grad dann später.

Zuerst einmal ein frohes neues Jahr euch allen.
Hoffe ihr seid alle genau so schön ins Jahr gestartet wie ich.

Aber zuerst mal zu meinen letzten Tagen des Jahres 2007:

Am 21. Dezember kam meine Freundin (Alena) am Flughafen in Rio an.
Nach 3 und halb Monaten war meine Freude natürlich riesig.
Werde jetzt nicht auf alles eingehen, aber es war toll einem vertrauten Menschen mein Leben hier zu zeigen. Berichte und Bilder können halt trotz aller Bemühungen nicht alles greifbar machen. Total spannend weil ich selbst alles hier noch einmal mit anderen Augen sehen konnte/durfte. Auch habe ich gemerkt wie vertraut und normal so vieles hier für mich schon geworden ist.

Die folgenden 10 Tage hier in Bildern mit kurzer Erläuterung:
...
Das erste Wiedersehen,…
Die Italiener mit denen ich einen Monat verbracht habe
sind vor Weihnachten zurückgeflogen,…
Weihnachten in Brasilien. Da alles was ich mit Weihnachten verbinde nicht da war, kam bei mir keine Weihnachtsstimmung auf, was vielleicht ganz gut war weil ich nicht so Melancholisch werden konnte. Waren aber trotzdem 2 schöne Tage mit gutem Essen, schönen Geschenken aus der Heimat und wir haben sogar im Gottesdienst zusammen mit dem österreichischen Pfarrer „Stille Nacht heilige Nacht“ gesungen,…
Nachdenkliche Blicke beim Lesen der tollen Briefe aus heimischen Gefilden,…
Natürlich habe ich Alena die Häuser bzw. Kinder von „Casa do Menor“ gezeigt.
Hier Alena mit Luiz-Claudio aus „Casa Angelo“,…

Ausblick auf mein „Zuhause“ (und sogar die Christusstatue),…
Besuch unseres gigantischen Geländes in „Tingua“ direkt an einem Nationalpark.
Hier Alena und Ich mit 2 Jungs aus „Casa Jesus Menino“


(wo behinderte Kinder betreut werden),…
Ein zweites Mal Zuckerhut. Diesmal bei traumhafter Sicht,…
Blick vom Zuckerhut bei Sonnenuntergang.


Links die Copacabana und rechts die Jesusstatue,…


Es ging erst wieder runter als man das Lichtermeer von Rio sehen konnte,… „Christo Redentor“, die Erlöserstatue, bei herrlichstem Wetter,…
Ohne Worte,…
Weihnachtsfeier von „Casa do Menor“,…Mit brasilianische Musik,…Das Geburtstagskind,…


Die Zeit ging wie befürchtet natürlich viel zu schnell vorbei.
Am 30. Dezember ging es dann wieder an den Flughafen.
Auf dem Rückweg bog dann der Fahrer spontan ab um mit mir ein Bier im „Casa do Alemao“ (großer Imbiss mit „deutschen“ Speisen) zu trinken um mich wieder aufzuheitern.
Danach ging es noch zu ihm Nachhause wo mir 2 Stunden unablässig Bier, Wein und frisch gemachte Snacks gereicht wurden. Sehr aufmerksam,…

Am nächsten Tag ging es dann mit Moritz, Alexandre (Sozialvater von „Casa Angelo“) sowie 2 Jungs aus „Angelo“ nach Rio. Den Nachmittag verbrachten wir in „Casa Rafael“ ein Haus von uns in Zentrumsnähe das sich momentan im Aufbau befindet. Dort wohnt das verantwortliche frisch vermählte Ehepaar (ich berichtete von der Hochzeit) mit seinen 2 Kindern. Abends wurde sehr gut gegessen und dann ging es mit ca. 10 Leuten in Richtung Feuerwerk. Das wurde in Form von wahnsinnig lauten Knallern die neben den Bus geworfen wurde eingeläutet. Zu Fuß, mit Bus und Taxi schoben sich hauptsächlich weiß (Farbe für Frieden) gekleidete Menschenmassen an den Strand. Dort verteilten sich die ca. 2 Millionen Menschen erstaunlich gut auf der über 4 Kilometer langen Copacabana. So konnten wir obwohl wir erst kurz vor Mitternacht eintrafen bis ans Wasser gehen. Viele schön beleuchtete Kreuzfahrtschiffe lagen vor Anker um das Spektakel vom Meer aus zu betrachten. Das gigantische Feuerwerk wurde dann auch von 4 Schiffen abgefeuert. Direkt vor/über uns Regneten die Funken nieder. Zwischenzeitlich war alles voller Rausch der die Farbe wechselte. Der ganze Strand glitzert von den Fotokameras, alle in Weiß, meine Füße im Wasser, über einem das riesige Feuerwerk. Die größte Silvesterfeier der Welt. Einfach genial.

Um den ersten Tag des Jahres gebührend zu feiern ging es am nächsten Morgen an einen der großen Strände von Rio: „Flamengo“ Das Wasser war von den Silvesterfeiern etwas unsauber aber man konnte dennoch schwimmen. Man schwimmt also und sieht vor sich den Zuckerhut und die Skyline von Niteroi, dreht sich um und sieht die Hochhäuser Rio´s und über allem wachend Christus. Das alles bei 35 Grad und dazu gekühltes Kokosnusswasser und Bier.

So kann das Jahr beginnen.

Man könnte ohne Probleme das Fünffache schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen, und ich will ja niemanden neidisch machen.

Ich denke an euch,
und bedanke mich für alle Formen der Kontaktaufnahme an Weihnachten und Silvester.
Das bedeutet mir wirklich Viel, bis dahin, euer Benni.