Anfangen möchte ich mit einer repräsentativen Szene meines brasilianischen Lebens.
Anlässlich eines Weihnachtsfestes in einer ortsansässigen Schule wurde ich von unserem Gitarristen gefragt ob ich nicht mit ihm das Programm musikalisch untermalen wollte. Zum Üben haben wir uns dann um 12 Uhr des folgenden Tages verabredet. Ich verlasse also am nächsten Tag meinen Arbeitsplatz früher und um 12 Uhr warte ich mit Emanuel (Einer der Italiener der Keyboard spielt) und Rafael (der bassspielende Bruder von Rogerio unserem Gitarrist) und Rogerio kommt nicht. Eine viertel Stundespäter werden wir dann in der Nähe von einer Bus mit Ladefläche abgeholt, auf der wir dann auch Platz nehmen und durch die halbe Stadt fahren.
An der Schule angekommen werden wir den Kindern vorgestellt um dann festzustellen, das die Instrumente (von Casa do Menor) ja gar nicht da sind, da wir sie nicht mitgenommen haben. Die Probe wurde also auf den nächsten Tag verlegt und wir fahren mit dem Bus zurück. Was sich der Planer bei solchen Aktionen denkt bleibt mir schleierhaft und ich hoffe inständig das, wenn ich alles verstehen würde, ein Sinn dahinter steckt. Ist aber faszinierend zu sehen, wie gelassen ich hier mit solchen (Fehl-)Planungen umgehe. Zuhause würde ich echt ausrasten. Hier wird das Problem noch nicht mal angesprochen insofern es denn als solches Wahrgenommen wird,...Die Probe am nächsten Tag war übrigens toll und der heutige Auftritt war ziemlich lustig.

Meine Gruppe die ein kleines Stueck aufgefuehrt hat,...
Die Woche hatte ich außerdem ein 2tes Mal die Gelegenheit die Straßenkinder in Rio zu besuchen. Diesmal fühlte ich mich wesentlich sicherer und wohler im Umgang mit den Kindern weil ich wusste was auf mich zukommt. Teilweise wurde ich sogar erkannt, was mich sehr gefreut hat. Die Italiener hatten Sandwichs sowie Getränke und Süßigkeiten vorbereitet die wir dann an die Kinder verteilt haben die natürlich sehr glücklich waren. Es lief etwas chaotisch doch noch erstaunlich diszipliniert ab.
Es regnete ziemlich während unseres Besuches und es wurde mir wieder mal bewusst was für Umständen die Kinder ausgesetzt sind (manche haben noch nicht einmal ein T-Shirt).
5 Kinder fuhren mit uns zurück nach „Casa do Menor“.
Auch wenn diese natürlich freiwillig mitkommen, sind 3 von ihnen wieder zurück auf die Straße gegangen. Ein 11 jähriger der in „Casa Angelo“ aufgenommen wurde hat das Projekt vorgestern verlassen nachdem er Zuckerrohrschnaps getrunken und geraucht hat. Es ist krass zu sehen wie die Kinder die Chance auf ein neues Leben verspielen da sie die strikten Regeln hier nicht befolgen möchten/können. Die scheinbare Unabhängigkeit und der Drogenkonsum ziehen sie wieder auf die Straße,…
Die Woche war außerdem ein Pärchen aus Paris hier. (Er ein Journalist für das franz. Fernesehen, Sie eine Künstlerin) Aus Zeitgründen habe wir leider nicht viel Gelegenheit bekommen uns näher kennen zu lernen.
Am Samstag habe ich eine Aufführung besucht. Eine Kirche neben „Casa Angelo“ bietet zurzeit ein Ferienprogramm an um die Kinder von der Straße wegzulocken, in dessen Rahmen sie ein Stück einstudiert haben. Die Kleinsten von „Casa Angelo“ haben auch mitgespielt. Es waren ca. 10 Erwachsene da um sich das Theater anzuschauen sowie ein paar Kinder. Das Stück war nicht wirklich professionell, aber die selbst gemachten Kostüme und der Spaß der darstellenden Kinder hat mich fast zu Tränen gerührt. Es war so goldig mit was für Elan und Freude die Kinder vorgespielt haben und ungeachtet ihren Fähigkeiten Capoeira und Tanz mitgemacht haben.

Konzentration,...

Romario als Engel,...
Als Indianer links die 3 aus Casa Angelo (Luiz-Claudio,Romario und Ruan),...
Die Kulisse,...
Vorgestern, am Sonntag, bin ich mit Emanuel und den Kindern von „Casa Angelo“ zu einer Kirche im Stadtteil „Copacabana“ gefahren. Die Kirche unterstützt unser Projekt und wird ab und an von unseren Kindern besucht. Die Kirche war sehr schön, doch da sich der Gottesdienst nicht wirklich von den hiesigen unterschieden hat bin ich mit Emanuel und unserem Fahrer Alberto an den schönen Strand von Copacabana gelaufen.
Alberto behauptete steif und fest es wäre zu kalt zum schwimmen aber die vielen Strandbesucher und 28 Grad um halb 10 Uhr morgens gaben uns recht. Zum ersten Mal ging es in die Fluten der Copacabana. Absolut herrlich,…
Als ich später mit meiner Familie telefonierte, fiel es mir schwer sich vorzustellen, das sie am selben Tag auf den Ingelheimer Weihnachtsmarkt gingen.
Gestern hatte ich wie gewohnt frei habe aber kurzfristig die Gelegenheit bekommen mit Emanuel und Moritz einen unserer Streetworker nach Rio zu begleiten.
Zuerst sind wir durch das „Zentrum“ von Rio gelaufen und ich kam mir vor wie ein kleiner Schuljunge der zum ersten Mal eine Stadt sieht. Riesige Straßen gesäumt von Hochhäusern und so viele Menschen,… War echt ziemlich geplättet von den ganzen Eindrücken aber es war sehr interessant mal einen Blick auf das andere Rio zu werfen.
Anschließend sind wir auf den „Corcovado“ gefahren, also der Berg auf dem die Christusstatue steht und ich hatte ein zweites Mal die Möglichkeit diese wirklich beeindruckende Statue zu sehen. Diesmal sogar bei recht guten Witterungsverhältnissen, sodass ich einen atemberaubenden Ausblick auf die ganzen Strände, Stadt und Zuckerhut hatte:
Erleuchtend,...
Links seht ihr das Maracana-Stadion,...
Ich und Christus,...
Links ein Teil der Copacabana und rechts ein Teil von Ipanema,...
Nicht ohne Grund offizieller katholischer Wallfahrtsort,...
Im Hintergrund Ipanema, das schwarze Dreieck ist ein nachts sehr schoen beleuchteter Tannebaum,...
Nur damit ihr wirklich glaubt das ich hier bin,...
Sagenhafte Kulisse,...
Haette ich mich umgedreht haette ich den Zuckerhut sehen koennen,...
Danach sind wir wieder zum Busbahnhof gefahren um uns mit Pe Renato, den Italienern sowie ein paar Mitarbeiter und Kindern von „Casa do Menor“ zu treffen. Wir haben eine verkürzte Messe mit den Straßenkindern gehalten und später haben unsere Jungs Capoeira und Perkussion vorgeführt. Im Anschluss gab es Essen und Trinken für die Kinder.Ein sechzehnjähriges Mädel hatte ein 1 Monat altes Kind auf dem Arm und auf Nachfrage stellte sich heraus dass sie das Baby einer geistig sehr angeschlagenen Drogenabhängigen abgenommen hat und diese sich nicht mehr Blicken lässt. Anfangs wollte sie mit dem Kind auf der Straße bleiben, doch als wir ihr klar gemacht hatten dass dies der sicher Tod für das Kind sein wird entschloss sie sich mit dem Säugling in unser Projekt zu kommen. Man kann sich ausmalen für wie viele Kleinstkinder ein solches Angebot nicht existiert. Mit all den Eindrücken überfordert fiel ich gestern ziemlich müde ins Bett. Es fehlt oft die Zeit ein zu reflektieren und ich freue mich jetzt sehr auf meine Freundin und auf den Januar, da Moritz und ich dort ein Zwischenseminar in „Salvador de Bahia“ haben. Dort können wir uns austauschen und mal erste „Bilanz ziehen“
Bin immer noch begeistert von diesem Land und es ist schier unglaublich, das jede Woche unerwartete Eindrücke und Chancen dazukommen. Bin wirklich froh hier sein zu dürfen.
Ich möchte die Gelegenheit noch nutzen und euch allen ein besinnliches, ruhiges und erholsames Weihnachtsfest wünschen.
Ich denke nicht dass ich es an Weihnachten oder vor Silvester schaffe noch einmal zu schreiben, da meine Freundin mich am Freitag für 10 Tage besuchen kommen wird. Ich melde mich dann im neuen Jahr wieder
Alles erdenklich Liebe aus Brasilien, ich denke an euch, euer Benni.
Ein paar meiner Kleinen aus Casa Angelo,...








