Sonntag, 27. April 2008

Sonntag, der 27. April 2008

Rodrigo und Marquinho,...(Jesus Menino)
Rodrigei,...(Jesus Menino)

Schönen Tag euch allen:

Nach meinem ausführlich beschriebenen Urlaub, ging es wieder zurück an die Arbeit. Das habe ich sehr genossen weil ich meine Kinder schon richtig am vermissen war, und umgekehrt schien es ähnlich zu sein.

Ich habe erneut ziemlich viel aus den letzten Tagen mitnehmen können:

Sehr interessant war, das ich von einem Jungen aus „Casa Andre“ (das Haus schräg gegenüber von „Jesus Menino“ in dem die Neuen ankommen), gefragt wurde mit in eine „Resozialisierungsstunde“ zu kommen. Auf freiwilliger Basis können die Jungs an einer Art Gruppentherapie teilnehmen die von 2 Psychologen aus Rio geleitet wird. Nach 30 Stunden erhalten sie ein Zertifikat, das sie bei zukünftigen Bewerbungen vorzeigen können. Thema der Einheit an der ich teilnahm war Familie. Es wurden 2 Gruppen eingeteilt, die jeweils eine Szene zum Thema kreierten und dann vorspielten. Ich durfte auch mitspielen, und auch wenn ich nicht weiß ob ich als Mitglied einer Drogengang überzeugend war es sehr interessant. Im Nachhinein überlegte ich was eine Gruppe dt. Jugendlicher wohl gespielt hätte und kam nur auf Szenarien in dem es um Computernutzung, aggressive Musik oder Ausgehzeiten ging.
Das es bei uns um Drogen(-banden), gewalttätige Eltern und Sozialprojekte ging, ist wohl nicht weiter verwunderlich.
Nach spielen der Szene wurde dann besprochen wie die Szenarien besser gelöst werden könnten und es wurde erneut gespielt.
Wenn es Möglich ist werde ich des Öfteren in diese Stunden reinschnuppern, um noch etwas mehr aus dem Leben vor „Casa do Menor“ zu erfahren.

In „Casa Angelo“ ist Patrick weggelaufen, nachdem er erst 3 Wochen bei uns war.
Ich wünschte mehr Kinder würden die Schwierigkeiten durchstehen und die Chancen auf ein besseres Leben erkennen, die wir Ihnen hier bieten können.

Juan, von dem Ich ja ständig berichte, hat das Haus gewechselt, nach dem es wieder einige Schwierigkeiten mit Ihm gab. Ich kann Ihn allerdings weiterhin sehen, da er jetzt bei meinen Jungs in „Casa Jesus Menino“ wohnt. 4 Tage nach seinem Wechsel arbeitete Ich dann zum ersten Mal dort, und Juan hat sich wahnsinnig gefreut ein weiteres vertrautes Gesicht zu sehen. Ich glaube es ist sehr wichtig für Ihn mich dort zu haben, befürchte allerdings das es zwischen ihm und Marcello, der mich ja immer viel Energie kostet, ständig krachen wird. Die Beiden nehmen mich allerdings oft so stark ein, dass ich aufpassen muss die Anderen nicht zu vernachlässigen. Habe scheinbar eine Schwäche für die schwierigen Fälle,…

Meine beiden Stoerenfriede,...(Juan und Marcello in Jesus Menino)


Langweilig wird einem in Tingua generell nicht. Letzte Woche war ich mit den Jungs im Schwimmbecken, und es kamen dann noch Kinder aus der Gemeinde die mich fragten ob sie mitplanschen könnten. Registrierte dann irgendwann das ich alleine auf 18 Kinder aufpasste die nicht alle schwimmen können und davon noch 8 eine Behinderung haben. Das war unglaublich anstrengend aber machte auch ziemlichen Spaß.

Am Mittwoch ging es mit anderen Pousadagästen zu einem Straßenfest in Nova Iguacu. Es gab Livemusik, gute Stimmung, viele viele Menschen, und diverse Stände, an denen ich mich ganz gut bediente. Am Nächsten Tag ging es dann mit Kopfweh und schweren Beinen vom Tanzen nach Rio um mit Moritz und Estefania (Italienerin) eine Ausstellung zu besuchen auf die Ich aufmerksam wurde. David LaChapelle ist ein sehr berühmter Fotograph aus den Staaten, von dem ich ein paar Dinge kannte, und die Ausstellung hat mir gut gefallen auch wenn die Fotos teilweise sehr ungewöhnlich sind.

Vorletzten Freitag konnte ich dann noch einmal erleben, wie stark hier die Verhältnisse auseinander Triften. Wir waren bei einer Freundin von Herrn Edinger, zum Essen eingeladen. Das Appartement befand sich im 13. Stock und hatte einen traumhaften Blick auf die Bucht und den Zuckerhut. Das Essen war auch sehr lecker (von einer Köchin gekocht) und es war generell ein rundum schöner Abend. 45 Kilometer entfernt befindet sich unser Projekt und manchmal kommt es mir so vor als würde man auf einem anderen Planeten und nicht in derselben Stadt wohnen.

Ich erhalte also permanent Gedankenanstöße und manchmal wünschte Ich mir mehr Zeit,
um den Ein oder Anderen zu vervöllständigen.
Andererseits fällt mir ein Satz ein der auf dem Zwischenseminar in Salvador fiel:

„Vielleicht ist es wichtiger nicht mit Antworten
sondern mit mehr Fragen nach Hause zu kommen.“

In diesem Sinne, wohl eine sehr erfolgreiche Woche, Euer Benjamin.

Abendessen in Casa Angelo, und als Nachtisch habe ich Vanillepudding mit Lebensmittelfarbe bearbeitet,...

Donnerstag, 17. April 2008

Freitag, der 18. April 2008

Nach einer ungewohnt langen Pause melde ich mich wieder zurück!

Ich habe allerdings keinesfalls nichts zu erzählen gehabt, vielmehr gab es so viel zu erleben, dass schlichtweg keine Zeit blieb euch auf den neuesten Stand zu bringen.

Das hole ich aber im Folgenden alles wieder auf, und so erwartet euch diesmal viel Text und noch mehr Bilder.

Viel Spaß:

Wie erwähnt wurde ich 3 Wochen von einer Freundin aus Deutschland, Claire, besucht, die vorgestern wieder abreiste. Nach über einem halben Jahr war das Wiedersehen natürlich total toll, auch wenn wir uns am Flughafen erst gar nicht erkannten :)
Die ersten Tage nutzten wir um Ihr das Projekt vorzustellen, meine Kinder in den Häusern zu besuchen, und einen Einblick in mein hiesiges Leben zu gewinnen.


Claire mit Marquinho aus Casa Jesus Menino,...

Freitags machten wir uns dann mit dem „Casa do Menor“-Bus und 36 Kindern nach Rio um den dort den Tag zu verbringen. Die Idee kam als mir, als ein lieber Mensch aus Deutschland Geld schickte. Wir wollten zuerst die Christusstatue besuchen, doch als wir dort ankamen war gerade eine Demonstration am laufen, da die Betreiber des Fahrunternehmens die Preise erhöht hatte. Somit wurde uns der Zugang zum Christus unmöglich und wir fuhren auf einen kostenlosen Aussichtspunkt in der Nähe von dem die Aussicht zwar noch schöner ist, aber natürlich die Statue fehlt. Die Kinder freuten sich allerdings trotzdem, und es war ausgelassene Klassenfahrtstimmung, da die Kids ja sonst nicht aus „Miguel Couto“ rauskommen. Anschließend fuhren wir an den kleinen „roten Strand“ am Fuße des Zuckerhutes um dort zu schwimmen. Wir hatten von dem gespendeten Geld eingekauft und am Vortag vorbereitet und so gab es ganz viele gekühlte Getränke, Pudding, Wurst/Käsebrötchen, Hefezopf, Bananen u.s.w. Der Strandnachmittag zauberte dann dem letzten ein strahlendes Lachen ins Gesicht. Ein toller Tag!!!

Claire und Ich auf dem Aussichtspunkt Dona Marta,...
Ein Teil der Gruppe, vor der beruehmten Statue,...
So sieht Badespass auf Brasilianisch aus,...

Die nächsten 2 Tage verbrachte ich mit Claire in Rio. Wir besuchten den wunderschönen botanischen Garten, die Christusstatue, die Strände Copacabana und Ipanema, den Zuckerhut und machten eine Bootsfahrt durch die gigantische Guanabara-Bucht.

Der Traumstrand Ipanema,...
Auf dem Weg zum Zuckerhut,...

Am 31. März nahmen wir dann den Bus nach Rondonópolis im Bundesstaat „Mato Grosso“.
Nach ca. 2000 Kilometern und 32 Stunden erreichten wir den Busahnhof und wurden von Elizangela abgeholt, die das soziale Projekt leitet, das von meinem alten Gymnasium unterstützt wird. Wir kamen im Haus eines dt. Pfarrers unter uns aßen bei der Familie von Elizangela. 2 und halb Tage schauten wir uns das Projekt (das übrigens auf der rechten Seite verlinkt ist!!!) an. Besuchten Kindergärten, Jugendzentren, eine Essensmarken Ausgabe und die Patenkinder welche von Stammkursen des Sebastian-Münster-Gymnasiums Unterstützung erhalten. Es würde den Rahmen sprengen auf alles einzugehen, aber das Projekt hat mich sehr beeindruckt. Ebenso die Freude und das Interesse mit dem uns begegnet wurde. So fand man überall wo wir hinkamen, gebastelte Plakate und Fahnen vor, es gab einen Snack, selbst die Mitarbeiter die keinen Dienst hatten waren vor Ort, es wurde vorgesungen, vorgetanzt und vorgespielt. Alle waren aufgeregt, waren wir doch (außer dem Gründer, unserem alten Schulleiter Herr Mürtz) die ersten Besucher unserer Schule. Ich Hoffe inständig dass sich das Engagement unserer Schule aufrechterhalten lässt um diese tolle Arbeit weiterhin zu unterstützen. Vielleicht ist ja Möglich einen regelmäßigeren persönlichen Kontakt aufzubauen.

Ein betreuter Kindergarten,...
Und so sieht es von Innen aus,...
Sejam bem Vindos!,..., Ihr seid herzlich Willkommen!
Wir mit Elizangela vor einem Kindergarten der von unserer Schule finanziert wurde,...
Bastel- und AHndwerksarbeiten in einem der 2 Jugendzentren,...
Gruppenfoto nach schoenen Darbietungen,...

Weiter ging es mit einem kleinen Fiat und Elizangela am Steuer in die Hauptstadt von „Mato Grosse“ nach „Cuiabá“. Dort wohnten wir in einem Priesterseminar, das uns vorbildlich umsorgte. Nach der ersten Nacht dort, machten wir uns auf, den nahe gelegenen Nationalpark „Chapada dos Guimarães“ zu erkunden neben kleinen und großen Wasserfällen, erlebten wir die unglaubliche Aussicht des geodätischen Mittelpunktes Südamerikas und die „Cerrado“ (innerbrasilianische Buschsteppe) mit einzigartigen Pflanzen.

Dieser Wasserfall mit dem Namen Brautschleier faellt 72 Meter tief,...
Der nur ein paar Meter, aber auch sehr nett,...

Am nächsten Tag hieß es dann schon wieder verabschieden und auf in das größte Feuchtsavannengebiet der Welt, das „Pantanal“.
Nach 40 Kilometern Schotterpiste erreichten wir unser Hotel (eine Art Resort), das uns einen ungewohnten Luxus bot, der uns am Anfang zwischen beschämt und verlegen hin und her pendeln ließ.
Den Nachmittag nutzten wir um eine Bootstour mitzumachen. Es zeigten sich zwar nur Vögel aber die Flusslandschaft und Unberührtheit dieses Fleckchens zogen einen in den Bann. Ich fühlte mich wie in den Reportagen die auf den 3ten immer laufen. Traumhaft.


Einheimischer Fischer,...
In den Koerben werden die Fische bis zum Markttag im Wasser gelassen,...
Am nächsten Morgen wurden wir etwas tollkühner und wagten uns auf Pferde um dem „Pantanal“ noch näher zu kommen. Da die Regenzeit erst gerade zu Ende ging, waren von den Pferden nur noch Rücken und Kopf zu sehen, sodass wir bis zu den Knien im Wasser waren. Dort schlängelten wir uns durch Schilf und Seerosen und waren froh das wir keiner Anakonda oder Krokodil begegneten.

Anschließend ging es noch schnell in den Pool und nach einem Mittagessen und einem Besuch im hoteleigenen Schmetterlingshaus ging es die Schotterpiste zurück um eine berühmtere Lehmpiste zu befahren die das Militär vor längerer Zeit 140 Kilometer in das „Pantanal“ zog.
Die Transpantaneira.
Dort sahen wir dann auch endlich die viele Tiere die diese Feuchtsavanne beherbergt. Und so blieben wir alle paar Minuten stehen um einen Brillenkaiman zu bewundern. Wir sahen Wasserschweine, ein Sumpfreh, einen Ameisenbär, Riesenotter, eine Anakonda, Papageien und „Tuiuiú`s“, die größten Störche der Erde.

Vor lauter schauen erreichten wir die Einfahrt zu unserer Pousada sehr spät und als wir auf dem Weg dorthin nicht mehr weiterkamen da es zu verschlammt war begann es schon zu dämmern. Wir versuchten es noch ein kleines Stück zu Fuß, aber als auch das nicht mehr ging, beeilten wir uns zum Auto zurückzukommen, da es auch Jaguare und Pumas gibt, die ja bekanntlich gerne in Dämmerung aktiv werden. Wir fuhren die Transpantaneira ein Stückchen zurück und mieteten uns in eine „Öko-Lodge“ ein, die nicht nur Edel sondern auch mitten in der Natur war. Morgens wurde unter einer offenen Palmhütte gefrühstückt, man sah die ersten Papageien und Wasserschweine. Einfach Herrlich. Mit einem Mitarbeiter machten wir uns auf eine kleine Wanderung über einen Holzsteg, der durch einen Wald führte in dem Kapuzineräffchen wohnen. Am Ende des Steges stiegen wir auf einen 25 Meter hohen Turm um das Panorama des erwachenden „Pantanal“ zu bewundern. Auf dem Rückweg fütterten wir die Affen mit Bananen und sahen unseren größten Brillenkaiman.
Papageien, die romantischer Weise Ihr ganzes Leben zu Zweit verbringen,...
Tuiuiús auf der Suche nach kleinen Schlangen,...
Sonnenaufgang im Pantanal,...
Kleine Aeffchen,...
Auge in Auge,...

Der Tollkuehne Kamermann bin uebrigens Ich,...
Letzter Blick auf dieses beeindrukcende Oekosystem,...

Über Cuiabá ging es zurück nach Rondonópolis, wobei die Straße im Volksmund den schönen Namen „Straße des Todes“ trägt, da dort sehr viele Menschen sterben. Dummerweise hatten Indios, also die Ureinwohner Brasiliens die Straße versperrt, weil sie gegen etwas protestieren wollten. Da die Indios in keinster Weise bestraft oder angefasst werden dürfen, konnte man sie auch nicht von der Straße holen, was 30 Kilometer Lasterstau verursachte, der sich gerade auflöste als wir ankamen. Die eigentlichen 2 Stunde Fahrt liefen somit auf 7 hinaus, was bei der Hitze und einem kleinen Fiat ohne Klimaanlage kein Spaß ist.
Nach Verabschiedung von unserem Gastgeber und Elizangela, mit der wir uns super verstanden haben, hieß es diesmal nur 15 und halb Stunden Busfahrt.

Pfarrer Franz, mit der Expeditionstruppe,...

Diesmal in die Hauptstadt Brasiliens, nämlich „Brasilia“. Dort trafen wir Moritz wieder, mit dem wir zusammen bei Ana-Paula unterkamen, die sich extra für die nächsten Tage frei genommen hatte. Ana-Paula strahlte 3 Tage durch, weil sie so glücklich war uns bei Ihr zu haben.

Im Hintergrund die Ministerien,...
In Vorfreude auf eine gute Pizza,...

Es ist wahnsinnig schwierig „Brasilia“ zu beschreiben, weil diese Stadt nichts ähnelt was ich bisher gesehen hatte. Die Stadt ist gerade 48 Jahre alt und auf dem Reißbrett entworfen. Von oben gesehen, sieht sie aus wie ein Flugzeug, und alles ist genau geplant. Es gibt Bereiche nur zum Wohnen, nur zum Einkaufen, nur für Kirchen, nur für Krankenhäuser,…
Die Straßen sind unbeschädigt sowie sauber und man sieht fast nur teure Autos, die den Beamten und Verwaltungsangestellten gehören, die wohl den Großteil der Einwohner stellen.
Die Autos halten an den Zebrastreifen, und weitere ungewohnte Dinge,…
Ana-Paula besuchte mit uns so ziemlich alles was es zu sehen gibt, und es wäre wahrscheinlich nicht so spannend wenn ich jetzt alles aufzählen würde. Im Folgenden aber ein paar Fotos auf denen ihr Gebäude von dem berühmten Architekten Oscar „Niemeyer“ sehen könnt. Er hat die meisten berühmten Gebäude dort gestaltet. Alles sehr futuristisch und Groß.

Kirche Dom Bosco,...
Der Kongress,...
Von Innen ist es noch schoener,...
Das Oscar Niemeyer Museum,...
Das Auswaertige Amt,...

Wir verbrachten noch einen lustigen Abend mit Freunden von Ana-Paula auf einer Forro-Party. Eine brasilianische Musikrichtung, zu der es sich ausgesprochen gut tanzen lässt. Um Halb 5 kamen wir dann ausgepowert nach Hause, aber es war sehr amüsant gewesen.

Zurück in mein Rio de Janeiro ging es dann zum Glück mit dem Flugzeug.
In Miguel Couto blieben mit und Claire dann noch 2 Tage in denen wir meine beiden Häuser besuchten damit sie sich von den Kindern verabschieden konnte.

Es ging natürlich wieder alles viel zu schnell vorbei, aber ich habe die Zeit genossen.
Auch habe ich das Land von vielen weiteren Seiten kennen gelernt,
und der Facettenreichtum ist unwahrscheinlich groß.
So viel Schönes und Schreckliches in nur einem Land. So viele Gegensätze.

Alles nur schwer zu begreifen geschweige den zu lösen.
Werde bei meinem nächsten Blog darauf eingehen.
Ich denke an euch, hatte vorgestern meinen siebten Monat hier abgeschlossen, bin also in knapp 5 Monaten wieder Zuhause. Bin mir noch nicht sicher was ich davon halten soll.
Bis denne, euer Benjamin.