Donnerstag, 14. Februar 2008

Donnerstag, der 14. Februar 2008

Nach dem letzten Blogeintrag und einem guten Mittagessen mit Eunice wagte ich mich alleine nach Rio. Ziel war der Strand von Ipanema, da dort einer der vielen großen Straßencarneval-Umzüge stattfand. Moritz war schon morgens mit einer Bekannten und ihrer Schwester nach Rio, aber da ich noch recht schwach auf den Beinen war beschloss ich nach zu kommen. Da in Rio an Carneval scheinbar auch noch andere auf die Idee kommen auf die Straße zu gehen, brauchte ich mit einmal Umsteigen 2 und halb Stunden um anzukommen. Über einige Handytelefonate traf ich mich mit Moritz und den Mädels an einem der Rettungsplattformen (die generell nur als Treffpunkt dienen, da dort nie ein Rettungsschwimmer anzutreffen ist) des Strandes. Hätte mein Weg noch länger gedauert, wäre es schwierig geworden in dem riesigen Getümmel Moritz zu finden, da er eine halbe Stunde später von flinken Fingern sein Handy geklaut bekommen hat ohne es auch nur zu ahnen. Um 16 Uhr ging dann der Umzug los, der daraus bestand, dass Bands in recht großen Abständen die Strandstraße entlang zogen. Man selbst schließt sich dann einer Band an und tanz davor und dahinter den Strand entlang. Das allerdings mit dermaßen vielen Menschen das einem schnell heiß wird, wen man sich mit dem Pulk im Schneckentempo nach vorne schiebt. Man ist allerdings schnell am Strand der nicht so überfüllt ist, und wo man sich Fleischspieße und gekühltes Bier gönnen kann.
Ein super Schauspiel, auch wenn vielleicht anders als man es sich vorstellt.
Der Straßenkarneval war aber die ursprüngliche Form von dem kommerzialisierten Carneval den wir aus dem Fernsehen kennen.
Danach sind wir ziemlich viel hin und her gelaufen und schließlich mit einem der vielen Transporter an die Copacabana gefahren um bei einem letzten Bier/Caipirinha den Tag ausklingen zu lassen.
Eine der bekanntesten Carnevalbands, die Banda de Ipanema,... Ipanema ist auch fuer die bunte Schwulenszene bekannt,...
Einfach immer den Strand entlangtanzen,...
Der Strand von Ipanema,...
Da Standen uns allerdings noch 4 Stunden abenteuerlichen Heimwegs bevor:

Um viertel nach 9 beschlossen wir das erste Stück mit der U-Bahn zu fahren, da diese klimatisiert und sicherer ist. Da unsere einheimische Begleitung etwas Orientierungsprobleme hatte, brauchten wir eine Ewigkeit um an der Station anzulangen. Dort in die U-Bahn eingestiegen fuhren wir später zuerst einmal an der Station vorbei an der wir umsteigen mussten. Also an der nächsten Station aussteigen und zurück, dann wieder umsteigen und in Richtung Endstation „Pavuna“.Fabiana (gegen alle weiteren Spekulationen: 31, 2 Kinder und mit einem Deutschen verheiratet!) und Ich in der U-Bahn,...

Dort um halb 12 angekommen, machten wir uns an dem recht unfreundlichen Umsteigebahnhof zu der Bushaltestelle in Richtung „Miguel Couto“. Der letzte Bus des Tages traf aber nicht ein, sodass wir irgendwann nach Mitternacht in einen der Transporter stiegen die es hier überall gibt und dieselben Routen wie die Omnibusse befahren. Jetzt ist es so, dass es vom tollen modernen „Sprinter“ bis zum wackligen alten „VW-Bus“ alles gibt. Da in dem vorletzten Transporter Beine aus dem Kofferraum baumelten, da natürlich keiner bis zum nächsten Bus um 4 Uhr morgens warten wollte, stiegen wir in die letzte Möglichkeit ein: Typ „Wackliger alter VW-Bus“.
Der Motor klang dermaßen furchtbar, aber da hatte ich noch nicht das Kupplungsgeräusch gehört. Es klang auf jeden Fall so, das ich recht früh mit Moritz anfing zu scherzen das wir bestimmt irgendwo liegen bleiben werden, während unser Gefährt ohne Scheinwerfer durch die Straßen ruckelte. Tatsächlich ging wenig später gar nichts mehr, da Motor oder Getriebe den Geist aufgegeben hatten. Glücklichweise lag das Haus von der Familie unserer Begleitungen eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, sodass wir beschlossen dort zu schlafen, da wir uns in „Belford Roxo“ befanden, von wo aus es noch 20 Minuten mit dem Bus nach „Miguel Couto“ dauern würde und es besseres gibt als Nachts Stunden durch die „Baixada“ zu laufen. Um viertel nach 1 lag ich, unglaublich erschöpft aber glücklich, auf einer dünnen Matratze im Wohnzimmer einer mir unbekannten Familie. Nach unruhigem Schlaf ging es um 7 Uhr morgens bei Regen aus dem Haus und mit dem Omnibus nach „Hause“. Dort verbrachte ich dann den ganzen Tag im Bett, weil ich mich ziemlich zerschlagen fühlte. Unbeschreiblich.
Montags abends gab es dann für alle Kinder von „Casa do Menor“ eine Fasnachtsparty und anschließend bin ich mit den Älteren aus „Casa Angelo“ dann noch auf die Carnevalsparty, die 5 Abende hintereinander im Zentrum von „Miguel Couto“ stattfand.
Luiz-Fernando, Ich und Cicero,...
..., und Romolo,...
..., und mit unseren Maedels,...

Der nächste Arbeitstag war gelinde gesagt „aufregend“. Ruan (10 Jahre) sollte, wie jeden Morgen, das Medikament gegen seine Epilepsie einnehmen. Logischerweise ist er davon nie so begeistert, auch weil ihn das meiner Meinung verunsichert „was ihn ihm vorgeht“. Auf jeden Fall ist er diesmal dermaßen ausgerastet, hat am laufenden Band geschrieen und geweint und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Es ist unmöglich jetzt alles zu beschreiben, aber Ruan ging später mit ziemlich allem was er finden konnte auf die anderen Jungs los (die wie Kinder halt so sind es immer verstanden die Situation noch zuzuspitzen indem sie ihn reizten). Beim Mittagessen, als wir dachten er hätte sich wieder beruhigt hat er dann Douglas (14 Jahre) mit der Gabel mit voller Wucht in den Arm gestochen. Das ging dann eigentlich den ganzen Tag so weiter und ich hatte meine Mühe den Laden unter Kontrolle zu kriegen. Doch auch wenn es wahnsinnig viel Beherrschung und Einfühlungsvermögen gekostet hat, war ich am Schluss doch zufrieden, einigermaßen souverän gehandelt zu haben, und auf Portugiesisch mit den Jungs fertig geworden zu sein. Denke dass ich mittlerweile meinen Respekt bei den Jungs habe.

Am darauf folgenden Tag schauten wir uns dann im Fernsehen zusammen die Punktevergabe der Sambaschulenauftritte im „Sambadrom“ an .Lustigerweise hat „Beja-Flor“ (wörtlich übersetzt Blumenküsser, hier aber der Name des Kolibri) gewonnen, die Sambaschule der ich im Dezember bei der Probe zugeschaut hatte.

Danach bin ich früher zurück in die Pousada gefahren weil mir plötzlich alles Weh tat. Auf dem Fahrrad wurde mir dann auch schon schwindelig.
Ende vom Lied ist, das ich über eine Woche später immer noch in der Pousada sitze, bzw. liege und mich auskuriere. Ich habe mich scheinbar an dem „Dengue-Fieber“ infiziert, das durch tagaktive Mücken übertragen wird. Das haben wir allerdings trotz Besuchen in unserer Krankenstation und Blutabnehmen in einer öffentlichen Krankenstation lange nicht festgestellt, da die Symptome wie bei einer schweren Grippe beginnen. Hatte auf jeden Fall tagelang furchtbar Glieder- und Kopfschmerzen und selbst mit 2 verschiedenen Fieber/Schmerzmitteln (+ Wadenwickel vom Moritz) bis 40 Grad Fieber. (siehe Bild) Da habe ich mich doch glatt zum ersten Mal nach Hause gesehnt!!! Das schlimmste habe ich wohl überwunden, doch die Schlussphase ist ziemlich unangenehm weil es dann am ganzen Körper schrecklich juckt (die Hitze tut ihr übriges) was einem gerade Nachts den Verstand raubt. Bin aber wieder auf dem Damm und ich werde nächste Woche wieder anfangen zu arbeiten.
Es ist echt schlimm wenn man gar nicht rauskommt, und ich vermisse meine Kids.


Ihr seht es wird und wird einfach nicht langweilig, jetzt bin ich heute am Valentinstag sage und schreibe schon 5 Monate hier in meiner Wahlheimat. Bin immer hin und her gerissen, weil die Zeit einfach nur rast aber ich euch natürlich vermisse.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen, euer Benjamin.

Samstag, 2. Februar 2008

Samstag, den 2. Fabruar 2008

Guten Tag ihr Lieben:

Anfangen möchte ich mit folgendem Bild,

da als Alena hier zu Besuch war meinte da ich noch nie so ein Pferdefuhrwerk ins Netz gestellt hätte. Da sie doch recht charakteristisch sind hole ich das hiermit nach. Normalerweise wird das Gespann stehender Weise gefahren, ein Foto folgt sobald mir eins gelingt. (In der Öffentlichkeit zücke ich ungern meine Kamera. Dieses Foto ist während dem Fahrradfahren entstanden,…).

Ende letzter Woche ist eine Italienerin abgereist, die hier für knapp 3 Wochen gewohnt hat und vor 2 Jahren ein halbes Jahr als Freiwillige hier gearbeitet hat. Verabschiedet wurden wir logischerweise mit Pizza und einem italienischen Wein.


Freitags hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag. Da meine „Meninos“ noch in Rio Ferien machten und ich mich noch nicht wirklich von meiner Grippe erholt hatte habe ich meinem ersten Arbeitsplatz „Casa Renascer“ einen Besuch abgestattet. War ein sehr herzliches Wiedersehen, und ich war ganz erschrocken als ich meinen Schützling Jonathan wieder gesehen habe. Nicht ohne Grund eigentlich „Grillinho“ (also Grillchen) genannt hat er im letzten Monat einen riesigen Schuss gemacht. Generell Wahnsinn wie man innerhalb so kurzer Zeit Veränderungen an und in den Kindern wahrnehmen kann. Wie muss sich ein Vater fühlen dem die Kinder zu schnell Groß werden?
Zur Feier des Tages habe ich noch 3, von den Kindern bemalte, Fließen gekauft, mit deren Erlös sie Pizza essen gehen wollen.

Am Montag haben Moritz und ich dann für Eunice gekocht, da sie am 20. Januar Geburtstag hatte. Es gab Salat mit Buscetta und Brötchen mit selbst hergestellter Kräuterbutter als Vorspeise. Danach Semmelknödel (man besinnt sich ja auf seine Wurzeln), „Cord on Bleu“ und Rotwein/Zwiebelsoße. Als „Sobremesa“ (Nachtisch) gab es dann noch Apfelpfannkuchen mir Zimt und Zucker. Dazu habe ich eines meiner Heiligtümer geöffnet (Eine Flasche Ingelheimer Rotwein). Eunice war überglücklich und kam aus dem Lob gar nicht heraus, was uns natürlich gefreut hat. Außerdem hat Anna-Paula (Brasilianerin die Momentan für „Casa do Menor“ arbeitet) nach dem Essen ihr Angebot noch mal gefestigt, nachdem wir herzlich bei ihr Eingeladen sind wenn wir Brasilia (Hauptstadt Brasiliens) besuchen wollen. Ende März werde ich das Angebot wohl wahrnehmen,…


Da wir ja richtige Hausmänner sind haben wir noch 2 Hefezöpfe gebacken.
Am Dienstag bin ich dann zum ersten Mal wieder in Casa Angelo gegangen.
Nachdem keiner das Tor geöffnet hat (Die Klingel ist kaputt und das Haus ist hundert Meter entfernt, sodass ich mir immer die Seele aus dem Leib schreien muss) was schon mal vorkommt bin ich übers Tor geklettert und zum Haus gelaufen. Dort war noch alles abgeschlossen und da wir momentan Schulferien haben dachte ich dass alle noch schlafen. Rücksichtsvoll wie ich bin :) habe ich fast zwei Stunden gewartet um keinen zu Wecken. Danach habe ich mich ein Fenster hochgezogen und festgestellt, dass die Betten leer waren.
Ich Fahre also wieder zurück und höre irgendwann Rufe hinter mir. Da liefen die Kleinen auf mich zu. Sie warteten vor einer Krankenstation, in der sich die Bevölkerung kostenlos untersuchen lassen kann und auch kostenlos Medikamente erhalten, um eine Blutprobe zu erhalten. (Das Gesundheitssystem in Brasilien ist zwar gut ausgestattet aber die Kosten können sich die Armen kaum leisten, da sie keine Versicherung bezahlen können.) Um die Wartezeit zu verkürzen, habe ich dann den Hefezopf geopfert den ich mitgenommen hatte. Dieser hat so viel Anklang gefunden dass ich ihn mit den Jungs am nächsten Tag neu backen musste.

Die Woche habe ich dann noch ein „Regal“ aus Holzkisten gebaut, und gestern mit den Jungs den Gasherd/Ofen neu gestrichen.

Die Arbeit in „Casa Angelo“ macht mich richtig froh, gerade weil ich sie jetzt länger nicht gesehen habe. Habe auch noch einmal gemerkt wie viel allein meine Anwesenheit den Kindern bedeutet. Es wir auch nicht langweilig, wir haben gerade 3 Neue „bekommen“.
Super Jungs aber da sie momentan ausloten wie die Rangordnung zu verschieben ist, gibt es ständig Zoff, was sehr anstrengend werden kann. Man könnte hier super Sozialstudien durchführen. Sehr interessant.
Neuzugang: Luiz-Henrique mit Frosch,...
...und Lukas,...


Nun ja, das war es vorerst wieder aus Südamerika.
Heute hat der Karneval angefangen und ich schaue mal was ich da alles mitnehmen kann,
da ich noch immer etwas kränkele,…

Bis die Tage, vermisse euch, euer Benni.