Montag, 8. September 2008

Montag, der 8. September 2008

Zum letzten Mal „einen schönen Tag“ an all diejenigen die meinen Blog und somit mein Sein hier in Brasilien, so interessiert verfolgt haben.

Fast einen Monat ist es nun her, dass ich etwas geschrieben habe.

Es ist mir nicht Möglich all das so wiederzugeben wie ich es sonst tat.

Im Vordergrund soll das nahende Ende meines Aufenthaltes, meines „Anderen Dienstes im Ausland“, stehen. Ein kleines Resümee, das bei weitem nicht dem Gerecht werden wird was ich hier erleben durfte:

Wie hat es also angefangen?

Der Wunsch in ein anderes Land zugehen, um dort meinen Zivildienst zu absolvieren, existiert schon eine Weile. Nach diversen Gesprächen und Vorstellungen war dann seit November 2006 (!!!) klar das ich nach Brasilien gehen werde. Das heißt so klar war es nicht, habe ich doch sehr viel mit mir ringen und kämpfen müssen bis ich dann am 14. September 2007 in den Flieger gestiegen bin. Nach langem nervenaufreibendem Warten ging es also endlich los.

Die erste Zeit hier war in erster Linie dann eine nicht endende Reizüberflutung. Meine, nicht vorhandenen, Sprachkenntnisse machten mir doch oft zu schaffen. Wenn ich überlege wie ich am Anfang z.B. bei der Post gestanden habe und ausformulierte Sätze abgelesen habe (worauf dann natürlich doch noch Nachfragen kamen) oder ich mich noch nicht einmal Vorstellen konnte, war es eine unglaublich Erfahrung, von dem Wohlwollen anderer Menschen abhängig zu sein und Gestik- Lautkommunikation zu perfektionieren. Teilwiese kam ich mir vor als würde ich Comicsprechblasen vertonen.

Auf jeden Fall war wirklich alles was ich heute so selbstverständlich tue, eine riesige Herausforderung.

Ich glaube ich darf behaupten, das es leichter ist als Deutscher nach Brasilien zu kommen als umgekehrt, den die brasilianische Art macht es einem recht einfach den Anschluss zu finden.

So wurde ich auch an meinem ersten Arbeitsplatz (Casa Renascer, Jungs von 16-17 Jahre) wo ich 3 Monate arbeitete, sehr respektvoll und wohlwollend behandelt. Nicht selbstverständlich, wenn man überlegt wie es wirken muss wenn da ein Fremder kommt der kein Wort versteht und noch nicht mal richtig Fußball spielen kann,…

Auf jeden Fall hat sich zu den Jungs etwas entwickeln können was, auch wenn ich jetzt nicht mehr dort arbeite, noch heute spürbar ist. Eine unvergessliche erste Zeit in der Fremde!

Dann das erste Weihnachtsfest ohne Familie. Wiedererwartend nicht so schlimm weil einfach keine Weihnachtstimmung aufkommen konnte, war doch alles anderes als ich es gewohnt bin. Außerdem war meine Freundin 9 Tage hier, und somit eine vertraute Person dabei. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag dann in den Häusern bei den Kindern wird dann dennoch unvergesslich bleiben.

Silvester dann, fern ab von Zuhause, an der Copacabana. Was werden die nächsten 9 Monate bringen?

Erst mal eine kleine Tiefphase weil mir die Sprache doch noch viel zu oft im Weg steht.

Dann im Januar das Zwischenseminar in „Salvador da Bahia“. Der Austausch mit anderen Freiwilligen tut gut, der Seminar Ort ist Postkartenverdächtig, Moritz und ich hängen noch 2 Urlaubstage vorne dran. Mit Flugzeug 2 Stunden hin und mit dem Bus 27 zurück, kann ich zum ersten Mal die unglaubliche Weite Brasiliens erahnen.

Anfang Februar dann unvermeidlich der „Carneval“, und anschließend ebenfalls typisch brasilianisch dann das „Dengue-Fieber“. Das einzige Mal, wo ich mich wirklich am liebsten in den Flieger gesetzt hätte. Ich habe mich körperlich noch nie so schlecht gefühlt, und die ewige Ungewissheit, das schlechte Gesundheitswesen sowie viel zu viel Zeit zum Nachdenken, taten ihr übriges. Trotz knapp 6 Kilo Gewichtsverlust, ging es dann irgendwann wieder besser.

Anfang März ging es dann nach „Casa Jesus Menino“ (12 Jungs, davon 8 behindert oder Traumatisiert), wo ich bis jetzt (zusammen mit „Casa Angelo“ [Jungs von 8-15 Jahren]) arbeite. Die ersten 2 Wochen sind einfach nur anstrengend und schwierig, aber ich merke schnell wie viel mir die Kinder dort trotz aller Einschränkungen geben können. Auch das in der Natur gelegene Areal lässt mich von der riesigen Stadt erholen.

Ende März, kommt dann Claire, eine gute Freundin, für 3 Wochen her. Neben meinem Projekt und Rio, lerne ich selbst auch noch viel kennen. Wir Reisen mit dem Bus 36 Stunden nach „Mato Grosso“ um 4 Tage das Projekt unseres alten Gymnasiums zu besuchen. Besuchen einen Nationalpark und das „Pantanal“, danach geht es weiter nach Brasilia wo wir auf Moritz treffen und wir von Ana-Paula (die 2 Monate in der Pousada gelebt hatte) 3 Tage unvergesslich begleitet werden. Auf dieser Reise bin ich das erste Mal wirklich stolz auf meine Sprachkenntnisse, und die Selbstverständlichkeit mit der ich Claire dieses Land näher bringen kann.

Danach fange ich an die Früchte meiner Arbeit zu tragen. Die Arbeit mit den Kindern macht sich unglaublich bemerkbar. Das Verhältnis zu den Kindern ist auf einem ganz neuen Level angekommen. Die Monate rasen und der ganz normale Wahnsinn ist allgegenwärtig. Es vergeht keine normale Woche. Alles auszuführen ist unmöglich. Ich habe Geburtstag, werde in „Casa Angelo“ beklaut, besuche einen berüchtigten Jugendknast in Rio, Ruan schlägt mir ins Gesicht und hat weit weg vom Haus mitten in der Pampa einen Epilepsieanfall. Viele Leute gehen in der Pousada ein uns aus, zu manchen baut sich ein Verhältnis auf.

Ende Juni kommt dann meine Freundin zu Besuch. Wir reisen nach „Buzios“, machen einen Surfkurs und lassen es uns gut gehen. Mein großer Bruder und meine Cousine stoßen anschießend dazu und es geht auf die „Ilha Grande“ und an die „Costa Verde“. Unvergessliche Augenblicke. Es war mir sehr wichtig, mir vertrauten Menschen einen Eindruck von diesem Land und meiner Arbeit, von all den krassen Gegensätzen hier zu geben.

Soviel also zu den Eckpunkten eines sehr schnell vergangenem Jahres.

Noch nie habe ich in so einem Zeitraum auch nur annähernd so viele Eindrücke sammeln können.

Was habe ich also mitgenommen, bzw. was kann ich rüberretten?

Bin ich ein anderer Mensch geworden.

Kann man bei all dem überhaupt der Selbe bleiben?

Vieles was sich wohl erst in Zukunft zeigen wird. Sicher jedoch das es mich mein Leben lang begeleiten und auch prägen wird!!!

Alles was ich jetzt noch sagen würde, wird es nicht vollkommen treffen.

Evt. Ein Zitat von Hape Kerkelings Buch:

„Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Restlos. Und er baut dich wieder auf. Gründlich.
Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück.“

Ich bin unglaublich dankbar für all die Wärme die ich in deisem Jahr hier empfangen durfte!!!

Ich hoffe die letzten Augenblicke gut zu nutzen.
Meine Gefühlswelt steht ziemlich Kopf zu Zeit.
Ich kann es einfach nicht glaueben das alles vorbei sein soll.

Bei unserem kleinen Abschlussfest am Samstag sind meine ersten Tränen geflossen und es werde bestimmt nicht die letzten sein.

Zu guter Letzt möchte ich all denen Danken, die mich während dieses Jahres aber auch in der Vorbereitung so sehr Unterstützt haben. Allen Menschen die mich in meinem Vorhaben bestärkt haben, Zweifel ausgeräumt und Mut gemacht haben.

Die Gewissheit Zuhause Menschen zu haben die ein aufrichtiges Interesse an meinem Auslandsjahr haben und die mich bedingungslos unterstützen hat mich ungemein bestärkt. Kraft geschenkt in Schwierigen Zeiten! Und so schwer es mir auch fällt alles hier in Brasilien zurückzulassen, so weiß ich doch das ich Daheim aufgefangen werde von vielen mir wichtigen Menschen.

Ich freue mich auf euch, wiederholt vielen Dank für jegliche Unterstützung, bis ganz bald, euer Benjamin.


2 kleine Vorfälle zum Schluss:

Der kleine Marquinho (Jesus Menino) hat einen zerkratzten Oberschenkel. Auf meine Nachfrage hin: „Das ist wenn Du nicht hier bist, und weil ich so nervös bin weil du ja bald fährst!“

Jean (Abschlusslagerfeuer in Casa Angelo) setzt sich beim Stockbrot zu mir: „Ich werde Dich so sehr vermissen, lass uns einfach hier sitzen bleiben bis die Sonne wieder aufgeht!“

Vielleicht habe ich eben doch etwas Kostbares in den Kindern hinterlassen können.

Ich hoffe das dies bisschen Liebe was ich geben konnte in ihren Herzen währt,…

Auf Wiedersehen Rio de Janeiro!!!

Mittwoch, 13. August 2008

Mittwoch, der 13. August 2008

Ich sitze auf der neuen Veranda der renovierten Pousada, stelle fest dass Morgen nur noch ein Monat bleibt, wohl wissend das der nahe Abschied keineswegs bedeutet das es nichts mehr zu entdecken gibt. Die Zeit scheint sich täglich zu beschleunigen, doch wird man immer wieder aus dem Alltag gerissen da irgendetwas Neues am „Wegesrand“ steht. Dieses Land vollends zu Verstehen habe ich aufgegeben, aber was ich in dieser Zeit hier schon alles erleben durfte hat mir Brasilien doch viel näher gebracht. Ich glaube ich habe mir über dieses Land schon mehr Gedanken gemacht als ich es Deutschland habe zukommen lassen.

Bevor ich aber ins Philosophieren gerate: Es hat sich erneut so Einiges angesammelt, was verlangt Niedergeschrieben zu werden!

Nachdem meine letzten Besucher also abgereist waren, ging auch Moritz einen Tag später für 1 Woche nach São Paulo, sodass ich ein bisschen Zeit hatte wieder in mein Leben hier zurück zu kehren. Es war zwar etwas seltsam plötzlich keine Familie mehr um einen zu haben, man gewöhnt sich ja schließlich schnell an alles, aber ich freute mich ziemlich darauf meine Jungs wieder zu sehen und Denen ging es genauso. Nach sehr herzlichem Wiedersehen in den Häusern, konnte ich endlich wieder arbeiten. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, das man ein Teil des Lebens der Kinder geworden sind. (Ich komme später noch einmal darauf zurück!) Es stimmt froh, und Zeitgleich traurig zu Wissen das einige schon jetzt in meiner Abwesenheit nach mir Fragten und mir sagten das sie „Sehnsucht“ hatten, den bald werde ich mich nun wirklich aus deren Leben zurückziehen,…

Die Arbeit in „Casa Jesus Menino“ macht mir mehr Spaß denn je, was wohl einfach daran liegt das ich halt „dazu gehöre“. Als vorletzte Woche die Sozialeltern einen Ausflug machten, war ich verantwortlich dort, und auch wenn noch ein Italiener sowie ein brasilianisches Pärchen dabei waren wurde ich sowohl von Kindern als auch den Anderen um Rat, Erlaubnis u.s.w. gefragt. Das machte mich dann doch Stolz, wenn ich Überlege wie ich ursprünglich hier begonnen habe.

Auf dem Weg zu meiner 2ten Arbeitsstelle (Casa Angelo) wurde ich dann wieder ins Leben zurückgeholt, als ich, Fahrrad fahrend, einen toten Mann auf der Straße liegen sah. Ich glaube die Situation war zu unwirklich als dass sie mir so richtig nah gehen konnte, zumal sein nur von der Seite zu sehen war da ein Spannbetttuch über ihn ausgebreitet war. Eine halbe Woche später sah ich Ihn dann unverhüllt in der Zeitung. Er wurde in der 10 Meter entfernten Gesundheitsstation nicht behandelt bzw. drangenommen und ist auf dem Rückweg (im Alter von 47) gestorben.

Ich glaube wenn er Opfer einer Gewalttat gewesen wäre, hätte es mich noch mehr beschäftigt.

Dennoch war es ein komisches Gefühl am nächsten Mittag danach an der Stelle vorbeizufahren und festzustellen, das dass Leben auf der Straße unverändert seinen Lauf nimmt. Die Welt dreht sich dann doch weiter,…

Auch in der Pousada geht alles seinen Lauf. Nach langen Renovierungsarbeiten, die alles so gar nicht Heimelig wirken ließen, sind viele neue Personen zu uns gestoßen. Zurzeit leben hier nun ein Pärchen, ein junger und ein älterer Mann sowie eine Junge Frau aus Italien. Außerdem ein Brasilianer aus Manaus (Amazonas) sowie 2 Damen aus Deutschland. Außerdem waren zwischenzeitlich auch 2 Französinnen da. Es ist also Leben in der Bude, was manchmal sehr erfrischend und manchmal einfach nervtötend ist.

Dank einem Weinpaket eines guten Freundes aus meiner Heimatstadt, findet dann der internationale Austausch auch Kulinarisch statt. Italienische Nudeln mit dt. Rotwein.

Abgesehen von der Wirkung des Weines sind es Zustände wie in Babel, weil jeder in einer anderen Sprache spricht und man mit dem einen Italiener Englisch redet mit dem Anderen Deutsch, mit dem Nächsten Englisch und mit dem Französinnen Portugiesisch. Es kommt dann doch immer vor, das man mitten im Englischen Satz Portugiesisch weiter spricht, oder in der falschen Sprache Personen anspricht die einen nur fragend anschauen.

Donnerstags bin ich dann mit Cinzia in einen Kindergarten von „CdM“ gefahren, da sie dort arbeiten wird und ich ihr den Weg zeigen sollten. Es war ziemlich schön dort zu sein, doch merke ich dass mir die Arbeit mit etwas älteren Kindern doch mehr zurückgibt. Das war noch mal ganz gut zu sehen, da ich von meiner Vorgesetzten eigentlich dorthin geschickt wurde, um den Rest meiner Zeit hier in Brasilien dort zu arbeiten. Ich wollte das nicht und habe dann auch meine Entscheidung vertreten, die restliche Zeit mit „meinen“ Kindern verbringen zu wollen. Insofern fühlte ich mich in meiner Entscheidung bestätigt.

Auf die Sache der Bedeutung für die Kinder wollte ich ja noch zurückkommen. Gestern war in Brasilien Vatertag. Als ich dann am Freitag in „Casa Angelo“ war, brachte mir „Wendrey“ einen Einwegrasierer, der an einem Papierschlips befestigt war auf dem „Feliz Dia dos Pais“ stand. Das hatten sie in der Schule vorbereitet. Man muss dazu wissen das sein Vater seid 5 Jahren im Gefängnis sitzt. Ich war so gerührt, weil mir bewusst war das ich halt eben ein Familien- ein Vaterersatz für Ihn und auch für Andere darstelle. So werde ich z.B. neben dem typischen „Tio“ (Onkel) auch oft von Jungs „Pai“ (Vater) gerufen. Wieder so eine Sache die einen nicht nur froh sondern auch melancholisch machen kann,…

Abends ging es dann mit Moritz, einem Mitarbeiter (Carlos) und 3 Italienern (Giovanni, Martina, Cinzia) auf eine 70, 80, 90 Jahre-Party wo dann eifrig getanzt wurde.

Leicht geschlaucht ging es am folgenden Morgen auf einen Tagestrip nach Teresópolis um dort eine „Fazenda da Esperança“ zu Besuchen wo ich schon im Dezember war. Nach einer unfreiwilligen Pause durch eine schwache Batterie unseres Sprinters kamen wir dann nach ca. 5 Stunden an. Uns siehe da, obwohl es nun 8 Monte her ist und ich damals noch lange Haare hatte, wurde ich von 2 erkannt. Von dort ging es dann wieder zurück nach Rio, allerdings dann an die Copacabana um ein Bier bzw. Caipirinha oder eine Kokosnuss zu schlürfen. Anschließend sind wir dann durch das nächtliche Rio gefahren um den neu Angekommen einen Überblick zu geben. Auch wenn ich gemerkt habe dass ich irgendwie selbstverständlich mit der Szenerie umgehe ist es doch immer ein tolles Bild was diese Stadt einem präsentiert.

Heute hatte ich dann eigentlich meinen freien Tag. Wie es aber hier bei „Casa do Menor“ so läuft wurde ich dann gefragt ob ich 2 dt. Frauen begleiten könnte, die sich das Projekt anschauen wollten. Aus meinen Plänen wurde so nichts, aber es war für mich eine schöne Gelegenheit noch mal in fast alle Häuser von uns zu gehen. Uns wurde also ein Fahrer zur Verfügung gestellt und dann haben wir diverse Häuser von uns abgeklappert. Es war super, weil sich alle ziemlich gefreut haben mich zu sehen. Man merkt doch wie lange ich schon in dieser „Gemeinschaft“ lebe.

Jetzt steht bald wieder ein neuer Lebensabschnitt an, und ein Rundbrief von einer anderen Freiwilligen deren Dienst jetzt auch zu Ende ging hat es ganz treffend beschrieben. Ein neuer Lebensabschnitt steht bevor, man kommt in ein anderes Land zurück, Freunde haben sich studierender Weise verteilt, die Schule ist endgültig vorbei, es wartet meine Ausbildung, und es gilt wieder Neuland zu erkunden.

Auf das wir uns dort gesund wieder sehen, bis ganz Bald, euer Benni.

Nachdem das Auto liegen geblieben ist,...
Uebernachtung in Casa Angelo,...
Goivanni (Jesus Menino) im Schwimmbad,...
Leo freut sich auch ueber eine Erfrischung,...
Posen vor dem neu erworbenen Duplo aus Deutschland,...
Kleine Menschen,...
Unsere Tafelrunde (5 Italiner, 4 Deutsche, 2 Brasilianer),...

Montag, 28. Juli 2008

Montag, der 28. Juli 2008

Einen wunderschönen Abend an alle Informationshungrigen:

Wie schon angekündigt kamen vor gut 2 Wochen mein großer Bruder (Tobias) und meine Cousine (Barbara) angeflogen um einen Eindruck von meinem Leben und Arbeiten hier in Brasilien zu erhalten.

Am ersten Tag ging es zu erst einmal in 3 näher liegende Häuser von uns um die Kinder kennen zu lernen. Später wurde dann beim ersten brasilianischen Bier ein schönes „Churrasco“ in der Pousada veranstaltet.
Am nächsten Morgen ging es dann auf den „Corcovado“ um der Christusstatue einen Besuch abzustatten. Dieser empfing uns dann mit strahlend blauem Himmel, sodass wir einen tollen Ausblick auf die Stadt genossen.(Um es nicht weiter zu erwähnen wir hatten nur am vorletzten Tag ein paar Wolken, ansonsten bot und Petrus fantastisches Wetter Tag für Tag!!!)
Meine 3 Besucher,...

Einen ähnlichen Ausblick gab es dann vom Aussichtspunkt „Dona Marta“,...
Ein Aeffchen auf dem Weg,...
Später dann noch an den Strand von Ipanema,…


Um 4 Uhr in der Früh ging es dann am nächsten Morgen wieder rein nach Rio um einen Bus zu nehmen der uns zur 2 Stunden entfernten Fährstation brachte. Dort logischerweise dann einen Fähre und weitere 2 Stunden danach waren wir am Ziel: die „Ilha Grande“ (große Insel, zwischen Rio und Sao Paulo).

Auf dieser traumhaften Insel verbrachten wir 3 Nächte in einer feinen, genial gelegene Pousada (aber auch Tage*g). Was wir erlebten in Bildern:
…, der Ausblick aus unserem Zimmer,…
…, Meerjungfrau mit Kokos-BH am „schwarzen Strand“,……, Tagestrip im gemütlichen Schoner mit diversen Zwischenstopps

zum Baden und Schnorcheln,……, da sag ich noch zu meinem Bruder „Hier in den Gewässern soll es auch Delphine geben“, und prompt lassen sich 20 -25 Stück blicken,……, beim Schnorcheln haben wir neben vielen Fischen auch eine große Wasserschildkröte gesehen (auf dem Bild ist allerdings meine Freundin zu sehen),…

…, am nächsten Tag hieß es dann 3 Stunden Fußmarsch,…


(nach Oben durch den Regenwald)


(über Stock uns Stein)(an idyllischen Palmstränden vorbei)(auch wilde Tiere mussten passiert werden)

…, aber dann waren wir an „einem der schönsten Strände der Welt“ mit dem Namen „Lopez Mendes“, der durch unglaublich klares Wasser und weisesten Sand überzeugte der wie Schnee unter den Füßen knirschte!!!

Wunderschöne Insel also, und Abends ging es immer genial Essen. Nachdem wir mit der Fähre wieder zurück sind ging es die „grüne Küste“ weiter Richtung Sao Paulo entlang. Ein kurzer Zwischenstopp in dem Kolonialstädtchen „Paraty“ und dann weiter zu einem wirklichen Geheimtipp: Pousada Santa Martha das Pedras
Paraty ist uebrigens bekannt fuer Zuckerrohrschnaps,...


2 Nächte verbrachten wir in dieser Oase, genossen tolles Frühstück und Abends Fisch der noch morgens im 100 Meter entfernten Meer geschwommen ist. Das ganze in einem kleinen Fischerdorf in dem zufällig an beiden Abenden das typisch br. „Juninafest“ gefeiert wurde. Livemusik, traditionelle Tänze, Bier u.s.w.

Juninafest,...Leckerer Fisch,..

Auf dem Hinweg zum Strand war die Flussmuendung nur Knietief,...

Strand mit Flussmuendung,...
Sonnenuntergang im Fischerdorf,...
Die Familie,...
Und so sieht Kakao eigentlich aus,...
In freudiger Erwartung auf das Essen,...

Einen Tag nach unserer Wiederkehr hieß es dann von meiner Freundin abschied nehmen. Tobias und Barbara blieben noch 5 Tage länger, die wir dafür nutzten in die beiden Häuser zu gehen in denen ich arbeite, sowie das Zentrum von Rio, den Zuckerhut, Copacabana und Strandtag an Ipanema,…Wer von den beiden schlechter gesehen hat bleibt ein Raetsel,...
Die schoene Treppe,...
Meine 2 Besucher,...


Jetzt heißt es beim mir die letzten Wochen hier in Brasilien zu genießen, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und dann geht es langsam aber sicher wieder in heimische Gefilde.

Fühlt euch alle gedrückt, bis dahin, euer Benni.


PS:

Als wir mit ein paar meiner Jungs durch das Gelände von unserem Landgut gehen,
kommen wir an einer unserer Kühe vorbei.
Auf dem Rückweg sah sie dann so aus:

Samstag, 12. Juli 2008

Samstag, der 12. Juni 2008


Es tut mir Leid das ich nicht in Gewohnter Regelmäßigkeit von mir hören lasse.
Es passiert einfach so unglaublich viel Momentan, außerdem ist meine Freundin (Alena) zurzeit zu Besuch und die Zeit möchte ich natürlich auch nutzen.

An dieser Stelle also ein 2 Gedankengänge und später ein paar Bilder aus dem winterlichen Brasilien:

Zur Zeit (brasilianischer Winter) haben wir herrliches dt. Sommerwetter, allerdings ist es abends recht kalt. Moritz und ich haben so aber nun doch noch Gebrauch von dem Glühweingewürz machen können, das ich importiert hatte. Gemütlich,…

Vor 2 Wochen hatte ich dann eine einmalige Gelegenheit: Zusammen mit einer Gruppe von „Casa do Menor“ sind wir in ein berüchtigtes Jugendgefängnis in Rio gefahren. Dort wurde anlässlich zum Johannesfest eine kleine Aufführung für die Jugendlichen präsentiert.

Nachdem wir alles abgeben mussten was in irgendeiner Weise als Waffe genutzt werden könnte (und sich langsam aber sicher ein sehr mulmiges Gefühl in meiner Magengegend ausbreitete) wurden wir in eine überdachte Halle gebracht wo ca. 250 Jugendliche, in kurzer Gefängniskluft, auf dem Boden saßen. Kinder zwischen 12 (!!!) und 18 Jahren saßen also auf dem kalten Boden und waren sichtlich froh ein bisschen Abwechslung zu erhalten. Unsere tanzenden Mädels wurden selbstverständlich unter johlendem Beifall gefeiert. Alles schien recht ruhig doch sahen wir natürlich nicht alles. Das Gefängnis das für ca. 45 Tage eine Zwischenstation für „Bonbonklauer“ bis hin zu Mördern (nahezu ausschließlich Unterschicht) darstellt hat einen schlimmen, wohl berechtigten, Bekanntheitsgrad. Die Zellen haben keine Betten und sind mit 20-30 Personen überfüllt. Als Toilette dient ein Loch im Boden. Ein Junge aus unserem Projekt, der auch schon dort war (mein Patenkind war im Übrigen auch schon dort) bezeichnete das Gefängnis als „Vorhof zur Hölle“ und berichtet davon, dass sie aus Schutz vor Übergriffen Rücken an Rücken im Sitzen schlafen würden.

Ein wirklich unschöner Ort. Dennoch wieder ein wichtiger Eindruck aus diesem sonderbaren Land

Neue Einblicke konnte ich auch gewinnen als ein Journalist und eine Photographin aus der Schweiz für eine gute Woche hier waren. Neben dem super Verhältnis zu Roman und Pia (die altersmäßig meine Großeltern sein könnten), war es auch super, das Moritz und ich die Übersetzungsarbeit leisten konnten/sollten/durften. Die beiden arbeiten an einem Bericht für ein Magazin von „Caritas“ in dem ein Junge begeleitet wurde. Dieser Junge war Jonathan (einer meiner Ersten in Casa Renascer), an dessen bisherigem Leben (Zuhause verprügelt, frühe Drogenkarriere mit großem Bruder und für das „Commando Vermelho“ [größtes und berüchtigtstes Drogenkartell in Brasilien] gearbeitet, von Polizei verprügelt, Bruder und bester Freund wurden erschossen,…) ich nun teilhaben durfte, da ich es ja übersetzte.

Was er mit 16 schon alles erleben musste ist unbegreiflich. In seinem Fall kann man wenigstens sagen das er sich auf einem guten Weg befindet, sein Leben umzukrempeln.
Ein gutes Gefühl.

Beschaulicher sind dann die letzten Tage verlaufen, die ich euch in Bildern mit etwas längerem Bilduntertiteln präsentieren werde:


Im „Jardim Botânico“, einer Oase mitten im Großstadtdschungel,…
Koenigspalmen und meine Wenigkeit,...


Petrópolis, des Kaisers Sommerresidenz,…
Hier veranstalten die dt. Einwanderer das „Bauernfest“ mit Trachten, Blasmusik und traditionellem Speis und Trank,…
Zum Fressen gern,…
Moritz, Alena und Ich zusammen mit Salomon (Krebskranker jugendlicher aus Angola, der an diesem Tag 20 Jahre alt wurde, worauf wir ihn später zur selbst gemachten Pizza einluden),…
Bootstour mit Alena, Pia und Roman in der großen Bucht neben Rio


(Blick auf den Zuckerhut),…


Mit 14 Kilometern verbindet diese Brücke Rio de Janeiro und die Nachbarstdt Niteroi,…

3 Stunden von Rio entfernt befindet sich das „St. Tropez Brasiliens“ mit dem Namen „Búzios“. Dort verbrachte ich mit Alena 4 Tage, in einer völlig andern Welt:
Am schnuckeligen Hafen,…
Wenn das nicht zum Baden einlädt,…
Schön wenn man in der Nebensaison reist,…


Mein Geburtstagsgeschenk, ein Surfkurs! Hier mit Longboard am „Praia de Geribá“,…Trockenübungen auf einem wackligen Holzbrett das lose auf einem Zylinder liegt,…
Erste Annäherungsversuche an die Surferkarriere,…
Die Traumhafte Strandpromenade von Búzios zu abendlicher Stunde,…
Die „Escadaria de Selaron“ im Musik-/Künstlerviertel von Rio. Ein Künstler verarbeitete dort seit 18 Jahren schon über 2000 verschiedene Kacheln aus mehr als 60 Ländern, und ist noch lang nicht müde. Snoop Dog (+ Pharell Williams) und U2 nutzen diese Treppe schon in Musikvideos,…
Das bekannte Äquadukt in „Lapa“ (Stadtteil in Rio), dahinter die gigantische „Catedral Metropolitana“ sowie Hochhäuser des Zentrums,…


Morgen werden mein großer Bruder und meine Cousine dazu stoßen, und wir gehen auf Reisen. Wenn das Wetter mit macht, kommen in 2 Wochen Bilder zum neidisch werden in meinen Blog. Heute in 2 Monaten lande ich schon wieder in Frankfurt, bis dahin, euer Benni.