Samstag, 21. Juni 2008

Sonntag, der 21. Juni 2008

20 Tage sind seid meinem letzten Blog vergangen, umso mehr hat sich allerdings auch ereignet!

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sonntag:

Was ist also alles passiert?
Es gab ein Abschiedsessen für Estefania, da die Italienerin die nächsten 2 Monate Brasilien bereisen wird. Emotionaler Abschied, auch in Anbetracht der Tatsache dass ich mich ebenfalls in naher Zukunft von „Casa do Menor“ verabschieden werde. Auf jeden Fall ist es nicht ausgeschlossen, das ich Sie in Italien Besuchen werde.

Abschiedskuss,...


Die Arbeit in „Casa Jesus Menino“ (also bei meinen behinderten Jungs) macht mir sehr viel Freude, und so arbeite ich dort jetzt 3 Tage die Woche. Es ist sehr schön zu sehen, dass sich ich Kindern bei den Kindern mittlerweile auf einer viel vertrauteren Basis arbeiten kann. Gerade bei meinen beiden Autisten hat es lange gedauert eine Beziehung aufzubauen, doch jetzt merkt man richtig wie sie sich freuen wenn ich da bin und selbst dem kleine Leo der sonst überhaupt keinen Laut von sich gibt, konnte ich letztes Mal ein herzhaftes Lachen entlocken. Auch habe ich zum Beispiel Marlon bei den Hausaufgaben geholfen, was ihn sehr gefreut hat. Bei Marcello merkt man jetzt auch wie lange er mich jetzt schon kennt, denn er ist viel Ruhiger geworden. Auch mit den Jungs aus der Erstaufnahme komme ich super klar.


Mai-Social Anette waescht Marcello heute mal draussen,...



Giovanni beim reparieren seines Pipers (Drachen),...


Die ganze Truppe vereint,...Marcello mit Jungen aus der Erstaufnahme,...


Marquinho (auf dem T-Shirt Bob Esponja alias Spongebob Schwammkopf),...


Nachdem ich die Kiddies aus der Schule abgeholt habe,...


Vorletzte Woche haben dann alte deutsche Urinstinkte gegriffen. „Casa do Menor“ bekam eine riesige Ladung Klamotten, Spielzeuge und Mixer, welche von der Polizei beschlagnahmt und an soziale Einrichtungen verteilte wurde. Nachdem ich schon vor dem Entladen der Busse mit der Verantwortlichen Sprach, ob es nicht Sinn mache die Kisten zu ordnen (und natürlich später der ganze Raum von oben bis unten mit ungeordneten Kisten voll gestopft war), konnte ich es irgendwann nicht mehr mit ansehen und bat, mit Moritz zusammen die Spenden zu ordnen. Wir schnappten uns dann am nächsten Tag ein paar Jungs und dann wurde wieder alles Raus getragen was am Vortag Rein getragen wurde. Die Kisten sortiert und mit System wieder eingeräumt, sodass die Sachen an unsere Kinder verteilt werden konnten.
Vorher,...


Nachher,...


Am folgenden Tag, ging es dann um halb 8 nach „Casa Angelo“, da es ein Mitarbeitertreffen gab an dem auch die Sozialeltern teilnahmen und ich sollte den Tag alleine auf die Jungs aufpassen. Neben der Beaufsichtigung durfte ich mich dann auch um Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack kümmern. Das klappte erstaunlich gut, und ich merkte erneut dass ich schon lange dort arbeite und so auch die nötige Autorität und Anerkennung bei den Jungs habe um 9 Stunden alleine mit der Bande fertig zu werden.
Eine halbe Stunde später wurde meine Stimmung dann auch schon wieder getrübt, als ich an der Kasse beim Metzger stand. Ich hatte Fleisch für ein Churrasco, anlässlich Moritz Geburtstags geordert um dann festzustellen das 50 Reais (ca. 20 €) aus meinem Rucksack verschwunden waren, und ich so nicht bezahlen konnte. Ich rief dann in „Casa Angelo“ an um mit der Mai-Social zu sprechen. 10 Minuten später wurde der Geldschein auf dem Boden im Wohnzimmer gefunden. Einer der Jungs hat es wohl fallen lassen um einer Strafe zu entgehen. Zurück blieb ein bitterer Nachgeschmack. Es gibt Sozialeltern die ihre Sachen wegsperren. Ich tat das bisher nicht, weil ich dachte dass diese Grenze nicht überschritten werden würde. Das ging jetzt auch ein halbes Jahr gut, obwohl alles Wissen das meistens Kamera, Mp3-Player und Geld im Rucksack liegen. Auch wenn es wohl keine persönliche Sache war, bin ich doch ziemlich traurig, dass mein Vertrauen missbraucht wurde, nachdem ich dort schon über ein halbes Jahr arbeite.

Tags darauf, fand eine Bingoveranstaltung von „CdM“ statt. Ich hatte ja beim letzten Mal einen DVD-Player gewonnen, den ich dann „Casa Renascer“ schenkte. Als es gerade um 50 Dosen Bier ging fehlte mir dieses Mal wieder nur eine Zahl, die einfach nicht kommen wollte. Irgendwann rief dann ein anderer Bingo, worauf ich kurz danach erfuhr dass die mir fehlende Zahl schon ganz am Anfang gelost wurde. Naja, das Bier hätte ich ja auch schlecht einem Haus geben können ;)

Freitag vor einer Woche, ging ich mit Moritz abends nach Nova Iguaçu (mit 1,2 Millionen Einwohner größte Stadt in der Baixada Fluminense). Dort war eine der Hauptstraßen gesperrt, und mit 2 Bühnen und 2000 Ständen wurde der Namenstag von St. Antonio, dem Schutzpatron der Stadt, gefeiert. Das Zentrum von Nova Iguaçu ist eigentlich sehr hässlich, aber es war schön durch die Menge zu schlendern und die Atmosphäre zu genießen.
Prompt trafen wir dann auch richtig viele Leute die wir kannten und nicht kannten und es war ein echt lustiger Abend.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann aus dem Bett gequält um auf das Sommerfest der dt. Schule in Botafogo (Stadtteil von Rio de Janeiro) zu fahren. Die ehemalige Schulleiterin hatte Moritz und mich eingeladen, als wir sie bei einem Abendessen bei ihrer Freundin kennen gelernt hatten. Nach Bus und Metro legten wir die letzten Meter zu Fuß zurück. Dort habe ich dann wieder erlebt wie stark die sozialen Unterschiede in Brasilien auseinander klaffen. 500 Meter vor der Schule kommt mir ein kleiner Straßenjunge entgegen der mich nach Geld fragt und dem ich meine Colaflasche gebe die ich gerade erst gekauft habe. Er lächelt und tippelt Barfuss weiter. Auf einer Straße bei der in der einen Richtung die Christusstatue und in der Anderen den Zuckerhut zu sehen ist, und in der sich eine Schule befindet wo der Monat für das Kind um die 550 Euro kostet. Abgesehen von der Bildung, was könnte man alles mit diesem Geld im Leben des Jungen verändern,…

Das Schulfest war dann echt schön. Die Schule und das Gelände sind absolut traumhaft und die Kinder und Lehrer hatten sich alle Mühe gegeben einen mittelalterlichen Jahrmarkt in Rio entstehen zu lassen. Es gab deutsche Speisen und Getränke, Aufführungen u.s.w.


Die Gaukler durften natuerlich nicht fehlen,...


Auf dem Rückweg wurden wir dann von Sicherheitsleuten aus dem Gebäude des Busbahnhofes geleitet. Auf Nachfrage bei einem der vielen schwer bewaffneten Polizisten hieß es, dass es einen Schusswechsel in der angrenzenden Favela gegeben hatte. Der Bus nach Miguel Couto nahm dann auch einen anderen Weg zurück. Am nächsten Tag kaufte ich mir auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung, weil dort ein brennender Omnibus abgebildet war.
Die Polizei hatten am Vortag 3 junge Männer festgenommen, worauf die Bewohner der Favela 9 Busse demolierten und einen Anzündeten aus dem die Polizei dann Personen retten musste. Das Ganze fand eine halbe Stunde bevor ich in den Bus stieg statt. Die letzten Tage hat sich ein richtig kleiner Krieg zwischen Bewohnern und Militärpolizei entwickelt, sodass empfohlen wird zurzeit nicht über den Busbahnhof zu fahren.

Montag musste ich allerdings dennoch dort in die Metro steigen, wurde aber vom Bus vorne raus gelassen (die Favela liegt dahinter). Ich traf mich mit Moritz im Zentrum um das Deutschlandspiel gegen Österreich zu schauen. Anschließend ging es in die italienische Botschaft da dort Pe Renato (Gründer von „Casa do Menor“) ein Buch über die Philosophie des Projektes geschrieben hat und dieses dort vorgestellt wurde. Außerdem führten unsere Kinder etwas vor, wobei ich noch mal merkte in was für einem tollen Projekt ich arbeiten darf. Das wichtigste ist aber, des es sehr leckere it. Nudeln gab :)
Aussicht aus der Botschaft auf das naechtliche Rio de Janeiro,...

Am Donnerstag jährte sich dann mein bescheidenes Dasein zum 21. Mal.
Ich hatte beschlossen, meinen Geburtstag in „Casa Angelo“ zu verbringen und viel Fleisch für ein ordentliches Churrasco eingekauft. Wir stellten also den Fernseher auf die Veranda um mein schönstes Geburtstagsgeschenk (3 zu 2 gegen Portugal) zu genießen und währenddessen Unmengen Gegrilltes zu essen. „Casa Angelo“ hatte einen riesigen Kuchen gebacken und mir ein Plakat geschrieben. Scheinbar hatten sie sich vorher bei Moritz übers Handy erkundigt und heraus kam dann:
„ALLES GUKE VUN GEDURFTAG“

Unser Neuzugang Carlos,...

Beim Fussball schauen,...


Am Morgen dann nochmal Grillen mit dem uebrigen Fleisch,...
Ich habe dann auch bei den Kids geschlafen, da sie sich darüber immer sehr freuen. Es war dann wieder ein Gespräch mit Leonardo das mich sehr froh gemacht hatte als er sagte:
„Ich finde es super, dass Du heute mit uns so ein schönes Grillfest gemacht hast, obwohl Dir jemand aus dem Haus vor 2 Wochen Geld gestohlen hat.“

Dem gibt es nichts mehr Hinzuzufügen.

Außer ein großes Dankeschön für die unzähligen Anrufe, SMS, Emails, Nachrichten die ich an meinem Geburtstag von euch erhalten habe. Das hat meinen schönen Geburtstag hier echt abgerundet.

Das bedeutet mir sehr viel, tausend Dank, euer Benni.
Und dann hies es noch Abschied sagen von Marcus der heute nach Fortaleza ging,...

Sonntag, 1. Juni 2008

Sonntag, der 1. Juni 2008

Hallo ihr Lieben:

Vor über 5 Monaten habe ich noch Silvester an der Copacabana gefeiert. Jetzt haben wir schon Juni, und ich kann mich noch gut daran erinnern wie fern mir das vorkam als ich hier ankam.

Zeit ist ein außerordentlich merkwürdiger Begriff. Ich hatte mit vorher nie so richtig darüber Gedanken gemacht, aber jetzt, da man so einen festen Lebensabschnitt hat, geht man noch mal bewusster damit um.

Vorletzten Freitag gab es einen, ich nenne es mal „Betriebsausflug“. Mit 3 Reisebussen sind Mitarbeiter von „Casa do Menor“ inklusive Familien auf eine „Sitio“ gefahren die es hier überall gibt. Das sind große Gelände, die man mieten kann und dort gibt es Gelegenheiten zum Grillen, Schwimmen, Fußball und Volleyball spielen u.s.w.

Das wurde dann auch alles schön ausgenutzt und es war wirklich eine schöne Stimmung. Moritz und ich waren leider ziemlich Verschnupft, da wir trotz ersten Erkältungserscheinungen am Vortag am Strand waren.

Mitarbeiter in Aktion,...

Froehliches geplansche,...

So sind se, die Brasilianer,...

Anfang der Woche kamen dann spontan 3 Personen aus Bangladesch für eine Nacht in die Pousada. Moritz und ich waren verantwortlich da Eunice Urlaub hat, und Moe und ich zurzeit alleine in der Pousada sind. Bin Anfangs gleich mal in ein Fettnäpfchen getreten, als ich eine hübsche Frau (muslimische Bangladeschi) vor der Pousada in brasilianischer Manier rechts und links abgeknutscht habe zur Begrüßung. Das ist in Bangladesch scheinbar absolutes
No-Go. Soviel zum Thema interkulturelle Kommunikation.
Ziemlich interessante Menschen, und ich habe mich mit Einem von Ihnen sehr gut über Freiwilligendienste unterhalten, wobei mir meine Möglichkeiten hier noch mal vor Augen geführt worden sind. Habe natürlich Adressen ausgetauscht, sodass ich nun auch in der Hauptstadt von Bangladesch absteigen kann. Es gibt so viele tolle, interessante Orte auf dieser Welt. Irgendwie frustrierend das man nicht alle kennen lernen kann,…

Donnerstag ging es dann mit 3 Häusern in den Zoo von Rio. Estefania, die nächste Woche abreisen wird, hatte den Ausflug geplant und wir hatten auch „Casa Herbalife“ (0 – 6 Jahre) mitgenommen, da sie dort arbeitete. Alles süß und schön, aber mir ist die Arbeit mit älteren Kindern definitiv lieber!!!!!!!!!!!!!!!
Der Zoo ist auf jeden Fall echt riesig und sehr grün, und die Kinder waren hellauf begeistert. Dazu war dann auch das Wetter richtig angenehm, und ich hatte richtig Spaß mit meinen „Angelo-Jungs“ durch den Zoo zu „tigern“.

Kinder aus Casa Herbalife,...

Veronica (Italienerin) mit unseren Kindern,...

Putzig,...

Wesley,...

..., und sein aelterer Bruder, meine neuen Sorgenkinder in Casa Angelo,...

Igor, Leonardo und Jean plus Dickhaeuter,...

Aus dem zurzeit verregneten Rio de Janeiro,
sende ich euch allen ganz liebe Gedanken, euer Benni.


Marcello, Leo 1, Leo 2 und Greison aus Casa Jesus Menino,...

Unten: Ich mit Jean und Romario, beim Zubereiten von Fruchtspiessen mit Schokolade,...