Sonntag, 4. Mai 2008

Sonntag, der 4. Mai 2008

Lukas aus Casa Angelo dessen Lieblingsbeschaeftigung es ist mich zu provozieren =) ,...

Hallo ihr Lieben:

Eine schwierige und schöne Woche geht dem Ende zu.

Montag wurde ein sehr ruhiger Tag in „Casa Angelo“, was mir in Erinnerung geblieben ist, war die letzte halbe Stunde in der ich mich zusammen mit Luiz-Enrique beim „Indiaka“ spielen auspowerte. Ich komme später darauf zurück.

Am nächsten Tag ging es nach „Tingua“. Nachdem wir im Schwimmbad waren, bin ich wie gewohnt mit den Kindern die da waren, auf dem riesigen Gelände spazieren gegangen.

Von Links nach Rechts (Marcello, Juan, Leo, Greison),...

Das blaue Plastikrohr ist uberigens ein Pferd,...


Eigentlich wollten wir nach einiger Zeit umkehren aber Juan wollte noch Mandarinen pflücken, die ein bisschen entfernt wachsen. Auf dem Weg dorthin ist Juan dann, 2 Meter vor mir, ohne Vorzeichen wie ein Stein zur Seite umgefallen. Zuerst dachte ich dass ihn eine Schlange gebissen hat, aber dann fing er an zu zittern und zu verkrampfen, was ich in „Casa Angelo“ ja schon ein paar Mal mitbekommen habe. Er hatte also ca. 1,5 Kilometer entfernt von den Häusern einen Epilepsieanfall. Ich sicherte ihn dann, damit er nicht die Zunge verschluckt oder sich selbst verletzt. Als es ein bisschen abgeklungen war schaute ich mich um. Leo und Greison (die beiden Autisten), Guivanni (ebenfall nach einem Trauma stark Geistig beeinträchtigt) und Marcello (der ja wie schon oft beschrieben immer schwer ruhig zu halten ist.) standen verloren in der Gegend rum. Erste Versuch sie Hilfe holen zu schicken waren natürlich zwecklos. Handyempfang hat man dort auch nicht. Irgendwie habe ich dann Guivanni dazu gebracht meinen Rucksack und Leo, der nicht alleine läuft, an die Hand zu nehmen. Juan habe ich dann vor meine Brust genommen den Kopf über meine Schulter damit er die Zunge nicht verschluckt. Der Anfall war vorbei, aber er war nicht ansprechbar, hatte keinerlei Körperspannung und sabberte und pinkelte mich auf dem Weg voll. Gemeinsam mit den Anderen lief ich dann zurück. Die Jungs waren sichtlich überfordert und fragten ob Juan jetzt tot sei.Ich weis nicht wie aber irgendwie (plus einem guten Schuss Adrenalin) habe ich Juan bis in sein Bett tragen können, obwohl mir alles Weh tat. Danach konnte ich meine Arme nicht mehr heben, und hatte die kommenden 3 Tage Muskelkater.


An diesem Tag wurde mir dann noch einmal bewusst wie stark behindert die Jungs sind, und das es doch eine große Verantwortung mit sich bringt mit den Kindern zu arbeiten.
Körperlich und Geistig ziemlich beansprucht kam ich dann zurück in die Pousada. Moritz war zu dieser Zeit mit seinen Eltern auf Reisen und ich habe wiederholt festgestellt was für einen großen Redebedarf wir beide immer haben wenn wir von der „Arbeit“ nach Hause kommen.

Am nächsten Tag war Juan sichtlich Müde aber wieder wohl auf.
Es regnete den ganzen Tag und wir waren gezwungen im Haus zu bleiben.
Etwas Abwechslung brachte der Zahnarzt an diesem Tag. Zurzeit wohnt ein italienischer Zahnarzt, gehobenen Alters bei uns in der Pousada, der sämtliche Materialien mitgebracht hat um die Kinder zu behandeln. „Casa do Menor“ besitzt eine mobile „Zahnarztpraxis“ mit der er nun die Häuser abklappert. Ich begeleitete dann manche Kinder während der Behandlung.
Sieht schlimmer aus als es war,...
Nevio und Veronica (beides Italiener), behandeln Diago,...

Der Foltersaal von aussen,..Der kleine Marlon, mit Jungs aus Casa Andre, der Erstaufnahme von CdM,...
(in der Mitte noch der Capoeira-Lehrer)

Nach einem bitter nötigen Ruhetag, ging es am Freitag nach „Casa Angelo“ wo ich den ganzen Tag gefaltete Papierwürfel bastelte die die überfälligen Ostereier nun ersetzen. Später gab es dann noch Wackelpudding mit Bananen den ich mit den Jungs gemacht hatte.
Dort habe ich dann erfahren, dass Luiz-Enrique (grade 14 Jahre alt) dienstags abgehauen ist, nachdem es einen Streit mit einer Sozialmutter gab.

Ich habe ja in meinem letzten Blog geschrieben das ein anderer Junge, Patrick, weggelaufen sei. Da war ich emotional nicht so berührt, da er nicht lange bei uns war, auch wenn er ein feiner Junge ist. Luiz-Enrique kenne ich allerdings seit Anfang Januar.
Patrick (15),...
Luiz-Enrique (14),...

Es ist furchtbar traurig, dass viele Jungs die Chancen nicht annehmen können die sie hier geboten kriegen. Ich hoffe für ihn, dass er wieder zurückkommt.


Die Hoffnung stirbt zuletzt, euer Benjamin.

7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Auch wenn ich die Jungs nur flüchtig kennengelernt habe, bin ich sprachlos, entsetzt und traurig zugleich, wenn ich höre, dass die beiden wegrennen, die Aussicht auf ein besseres Leben wegwerfen und ein Juan nie die Chance haben wird solch ein besseres Leben zu genießen...

Benni, kann dich mir zwar vorstellen, wie und wo du z.B. mit den Kindern, Juan über der Schulter, zum Gebäude eilst, aber nicht im geringsten, was in diesem Moment in dir vorgegangen sein muss.
Ich hoffe ich kann in Burundi nur halb so stark sein wie du...!

Anonym hat gesagt…

Lieber Benni,

bin einfach nur stolz auf meinen Sohn! Aber pass auch auf dich auf.
Dein Papa

Anonym hat gesagt…

Hallo Benni, beim Lesen bekommt man Hühnerhaut und feuchte Augen.Du kannst echt stolz auf dich sein. Machs gut und pass auf dich auf.
Petra

Anonym hat gesagt…

Hallo Ben !

Viele liebe Grüsse von Tante Danny und "Pat" Gehi!
Dein Bericht bringt mal wieder wahnsinnige Einblicke in deine Arbeit, die du sichtlich mit Liebe, Geduld und jeder Menge Hoffnung angehst.
Bleib´ weiter am Ball und Kopf hoch in schweren Momenten. Wir wünschen dir von Herzen weiter viel Power und paß gut auf dich auf !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Fetter Drücker und liebe Grüsse
Danny und Gehi

Anonym hat gesagt…

petra hat sooo recht!!!
total beruehrend und die kommentare sprechen mir direkt aus dem herzen!
bin auch stolz!=)

kuesse,bis bald marie

Anonym hat gesagt…

Lieber Benni, ich bin so stolz auf dich. Ich weiß nur zu gut wie schwer es sein kann mit behinderten Menschen zu arbeiten und kenne Epilepsieanfälle. Allerdings habe ich meine Arbeit unter nicht annähernd so schweren Rahmenbedingungen machen müssen wie du. Hut ab. Zu den Jungs die weglaufen kann man nur sagen dass es wohl leider so ist, dass es immer wieder Menschen/Jugendliche gibt, die keine Hilfe annehmen können. Wahrscheinlich haben sie zuviel erlebt um sich auf Beziehungen und somit auf Hilfe einlassen zu können. Aber wenn es auch nicht viel ist, sie haben bei euch etwas wertvolles erfahren was sie dennoch in Erinnerung behalten werden.
Weiterhin viel Kraft wünschen dir deine Kahler Verwandten.
Biggi

Anonym hat gesagt…

Ola Benni,
espero que esteja tudo bem contigo.
Pco desculpa por ter estado tanto tempo sen te ercrever, mas o tempo e muito curto.Pelas tus mensagens tenho visto que tens tido muito trabalho mas vais ver que te vao fazer crescer por dentro,apesar de eu te achar um cara muito legal.
Espero que te corra tudo bem no tempo que te falta.Muitos beijos desta tua amiga Paula