In diesem Sinne:
Die letzten 2 Wochen gerafft, zensiert und chronologisch nicht korrekt ;)
Estafania (italienisches Mädel das hier für eine Zeit ebenfalls arbeitet), begeleitete mich mit nach Tingua um meine Kinder dort kennen zu lernen. Wir haben also die Jüngeren beschäftigt, Kokosnüsse gegessen und mit den Älteren aus dem Haus der Erstaufnahme Volleyball gespielt. So und nicht anders sollte ein Zivildienst aussehen,…
Beim Madala malen,... (vorne im Bild einer meiner beiden Authisten)In Casa Angelo war auch wieder viel Los.
So ist Carlos Henrique zu seiner Oma gezogen (seine Mutter schwört gerade in einer unserer Einrichtungen den Drogen ab, der Vater ist über alle Berge). Dann ist leider ein weiteres Kind gegangen. William sollte Alterbedingt in ein anderes Haus von uns wechseln, und ist wohl hauptsächlich deswegen abgehauen. Wir befürchten das er zu seinem Vater zurück ist (der im Drogenhandel involviert ist), und ich könnte echt verzweifeln das man da nur so ohnmächtig zuschauen kann. Manchmal ist es gut dass man nicht so viel Zeit hat sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Wir haben allerdings ein Geschwisterpaar neu dazubekommen (Eltern beide im Gefängnis, und sie wurden wohl lange Zeit vom Freund der Mutter missbraucht worauf hin die Oma sie zu uns geschickt hat). 8 und 10 Jahre, unglaublich laut und anhänglich, ich denke das es sehr interessant wird mit den Beiden zu arbeiten.
Alexandre und die Jungs in Vorfreude,... (links im Gefleckten T-Shirt ist William zu sehen)Letzte Woche war ich ehrlich gesagt überfordert als mich Juan bei einem Streit mit der Faust voll auf die Nase geschlagen hat. Ich kenne ihn jetzt seit einem halben Jahr, aber das hatte er sich noch nie gewagt. Habe ihn dann ganz gut zur Schnecke gemacht, aber ob das die richtige Methode war ist fraglich. Er fühlt sich wahnsinnig schnell Angegriffen, selbst wenn gar nichts ist, weil er Krankheitsbedingt (und wohl auch durch Medikamente) nicht alles mitbekommt was ihn sehr unsicher macht. Die Unsicherheit wird dann durch Aggressivität kompensiert und ich habe noch nicht herausgefunden wie ich dem Begegnen soll. Habe ihn schon oft ruhig gekriegt, aber er ist da echt unberechenbar.
Letzten Montag hatte ich dann die Möglichkeit eine Gruppe „Casa do Menor`s“ nach Guaratinguetà (Saõ Paulo) zu Begleiten. Dort liegt die Zentrale von „Fazenda da Esperança“, eine Einrichtung (gegründet von einem dt. Pfarrer) die durch Arbeit und Spiritualität drogenabhängigen Menschen einen Entzug ermöglicht. Die Einrichtung ist mittlerweile auf der ganzen Welt präsent aber in Brasilien am Größten. In der wunderschön gelegenen Zentrale (eher ein kleines Dorf) gab es ein riesiges Fest, da dort vor einem Jahr der Papst zu Besuch war. So 2000 – 3000 Menschen waren dann versammelt und es war ziemlich beeindruckend, was solche Projekte alles bewirken können.
Das Innere der Kapelle, die extra fuer den Papst errichtet wurde,...Anschließende ging es dann noch zu Brasiliens bedeutendsten Wallfahrtsort:
„Nossa Senhora Aparecida“
An diesem Ort hatten Fischer eines Tages eine verschollene Marienfigur im Netz gehabt und anschließend wohl diverse Wunder bewirkt. Dort war letztes Jahr auch der Papst und in der Nähe einer kleinen alten Kapelle wurde eine gigantisch, monströse Kirche errichtet. Tausende von Parkplätzen, eine eigene Shopingmall, u.s.w.
Sehr beeindruckend aber meiner Meinung nicht wirklich schön.
Dezent,...
Letzten Freitag hatte ich dann wieder ein echtes Glückserlebnis.
Nach dem wir in Casa Angelo einen Film geschaut hatten und ich den Jungs gute Nacht sagen wollte, fragten sie mich ob ich bei ihnen im Zimmer schlafen könnte, da sie „Medo“ (Angst) hätten. Den Wunsch erfüllte ich, und ich habe mich dann noch 1 und Halb Stunden mit Leonardo unterhalten, dem ich an diesem Tag anlässlich seines Geburtstages (13 Jahre) Kuchen und Pizza gemacht hatte.
Wir haben von Deutschland, Brasilien, seinen Zukunftswünschen und den Tod seiner Eltern und Schwester über alles Mögliche geredet und in diesem Moment hätte ich nirgendwo anders auf der Welt sein wollen. Fragen wie zum Beispiel „Wenn ich mich mit dem Fernglas an den Strand stelle! Kann ich dann Deine Heimat sehen?“, brachten mich die ganze Zeit zum schmunzeln und irgendwie habe ich auch realisiert das wir uns die ganze Zeit auf Portugiesisch unterhalten konnten.
Wir schließen deshalb gekonnt mit „Boa noite!“,
[aber das konnte ich auch schon bevor ich hier her kam ;) ],
Moritz Familie, die hier zu Besuch war,...
Einer meiner Neuen in Casa Angelo + meinem Schoko-Bananen-Kuchen,...
Pizza,...
Links im Bild, Leonardo,...
Beim Film wurde es sich schon mal gemuetlich gemacht,...
Romario und Liuz-Claudio (Geschwister) aus Casa Angelo,...






3 Kommentare:
Lieber Benjamin,
danke für deinen wunderbaren Bericht. Sehr anrührend fand ich die Schilderung des Jungen mit dem Fernglas (da stieg der Augen-Wasserstand mal kurz an:).
Mehr am Telefon, liebe Grüße, Papa
Hallo Bruderherz.
Da stimme ich Papa zu. Wirklich bewegend. Solche Gespräche sind nicht nur für dich anrührend. Ich denke auch Leonardo hat sich verstanden gefühlt und braucht solche Gespräche. Wer weiß, ob er jemals so innig mit einer Person sprechen konnte. Außerdem zeigt das, dass du das Vertrauen der Kinder genießt!
Alles Gute und bald komme ich ja zu dir, Tobi.
Hallo Benni, wieder einmal ein beeindruckender Bericht von dir.
Wir denken oft an dich!
Biggi und Anhang
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