Samstag, 15. März 2008

Samstag, der 15. März 2008

Hallo ihr Lieben.

Da es sich anscheinend richtig schön eingeregnet hat und es ja immer Neues gibt, wieder ein neuer Blogeintrag:

Montagmorgen hieß es zuerst einmal Abschied sagen, da wie ja bereits erwähnt Anna-Paula zurück nach Brasilia gereist ist. Ich war schon traurig, weil man natürlich den ein oder anderen „Pousada-Gast“ ins Herz schließt.
Wir mit Anna-Paula,...

Wir mit den David und Lala, die vorletzte Woche abreisten,...


Schlechte Stimmung konnte man allerdings nicht bekommen, da ich danach zu meinen Jungs nach „Casa Angelo“ bin. Diese haben sich, wie ich natürlich auch, nach einer Woche sehr gefreut.

Ich mit -Juan Lima Costa-, meinem liebenswuerdigen Raufbold ,...

Die nächsten 2 Tage ging es dann wieder nach „Tingua“ bzw. „Casa Jesus Menino“, wo ich so langsam in die Arbeit reinkomme auch wenn es nach wie vor anstrengend ist. Muss mir einfach selbst die Zeit geben, weil ich manchmal in Versuchung gerate, von Anfang an einen sehr hohen Anspruch an meine Arbeit zu stellen, was natürlich quatsch ist, in anbetracht der Tatsache, dass ich das erste Mal mit behinderten Kindern und dazu noch in einer anderen Sprache arbeite. Die Arbeit ist aber wirklich erfüllend und neben den Kindern genieße ich ziemlich aus der „Baixada“ raus zu kommen. So habe ich mir am Dienstag ein paar Kinder geschnappt und bin mit Ihnen ein bisschen auf dem Gelände flaniert. Da haben wir Orangen gegessen und Kokosnüsse gepflückt, die wir später öffneten.
Da ich gemerkt habe, das es für die Kinder schön ist etwas „raus zukommen“, und den Pai-Social nicht die Zeit (und glaube ich auch nicht die Lust) hat mit Ihnen spazieren zu gehen, bin ich dann am nächsten Tag mit allen Kindern zum Ende des Geländes gegangen. Eine Mai-Social mit der ich am Wochenende immer in „Casa Angelo“ arbeite, ist momentan auch in „Tingua“ da wir dort völlig unterbesetzt waren, und sie kam gerne mit. Man läuft so circa 20 Minuten um das wunderschön gelegene Gelände zu durchqueren.


Bei einem so langen Weg goennt man sich auch ein Stueck weit einen Transportservice,...






Am anderen Ende steht ein Haus das zurzeit nicht genutzt wird, aber für weitere „ankommende“ Straßenkinder verwendet werden soll. Da es gerade zu regnen begann als wir dort ankamen suchten wir unter der kleinen Veranda Schutz.
Nach einer viertel Stunde hörte der Regen auf und wir machten uns auf den Rückweg, auf dem wir allerdings nach kurzer Zeit wieder vom Regen eingeholt wurden. Ich war mit ein paar Jungs etwas zurückgefallen, was dann ziemlich anstrengend wurde. Der 4 jährige Knirps von Renata, der verantwortlichen Frau in „Tingua“, konnte nicht mehr und ich nahm in den restlichen Weg auf die Schultern. Dann hörte ich es hinter mit Schreien. Ein vierzehn Jahre alter autistischer Junge (ich werde herausfinde wie der Name geschrieben wird), stand vor einer großen Pfütze die den Weg „versperrte“ da er Angst vor stehendem Wasser hat. Schließlich war ein Weg gefunden und ich nahm Ihn an die Hand, während ich mit dem anderen Arm und Hand den Jungen auf meinen Schultern sicherte. Dann blieb noch mein Flip-Flop im Schlamm stecken und Marcello, ein Kind das ständig sich und andere schlägt, malträtierte unser Dreiergespann unablässig. Dazu dann der Regen, wir alle Komplett durchnässt, und dann musste ich innerlich echt Lachen als ich mir die Situation von außen vorstellte. Bin dann super dreckig, nass und gut gelaunt mit den Jungs an unserem Haus angekommen. Sehr zur Freude des Pai-Social, da ja alle Kinder völlig verschlammt und nass waren. Die allerdings hatten Ihren Spaß gehabt, was mir persönlich reichte,...

Donnerst hatte ich ja eigentlich frei, aber da ich lieber Freitag frei wollte um mit Moritz nach Rio zu gehen,fuhr ich nach „Casa Angelo“. Ich kaufte vorher ein und machte Pizza mit und für die Jungs. Neben mit schnippelte Romario Salami, wobei er glaube ich die Hälfte dabei verdrückt hat. Lasse die Jungs aber immer beim Zubereiten „naschen“, weil das ja auch für mich die größte Freude beim Kochen ist. Hat auf jeden Fall allen sehr gut geschmeckt und zum Nachtisch hatte ich Eis gekauft.Die Jungens, beim essen bzw. schneiden des Belages,...

Freitag war ein besonderer Tag. Moritz und Ich hatten quasi Jubiläum, denn gestern waren wir genau ein halbes Jahr hier.
Halbzeit also, was in uns Beiden gemischte Gefühle auslöste. Es regnete den ganzen Tag, was uns aber nicht davon abhielt in den Bus zu steigen. Ab nach Rio an die menschenleere Copacabana, einen Caipirinha geordert, denn anders sollte man an so einem Tag nicht anstoßen. Nach dem Abendessen machten wir es uns dann im, ich nenne es mal Aufenthaltsraum, soweit denn möglich gemütlich. Ich hatte es ja tatsächlich geschafft einen guten Rotwein den ich aus Ingelheim mitgenommen hatte, ein halbes Jahr nicht anzurühren, und so kamen wir gestern in den Genuss. Wenn wir uns den mal nicht verdient hatten,… Nach einem halben Jahr in Rio, merkt man das sich nicht jeden Tag



Strandschoenheiten an der Copa reakeln,...

Das ich hier wirklich schon ein halbes Jahr in Brasilien bin, ist ein ganz undeutbares Gefühl.
Ein halbes Jahr weg von Familie und Freunden (Freundin), von allem Vertrauten, aber auch ein halbes Jahr das viel zu schell vergangen ist. Ich habe noch nie in meinem Leben innerhalb einer solchen Zeitspanne so viele Dinge erlebt, gelernt, erfahren.
Ich bin wirklich sehr froh vor 184 Tagen einen Sprung ins kalte Wasser gemacht zu haben, ohne zu wissen was mich erwarten wird. Ich habe auch festgestellt dass ich wirklich Glück hatte bis jetzt. Glück mit Menschen denen ich begegnen konnte, mit meinem wirklich abwechslungsreichen Projekt und dem was ich bisher sehen durfte.

Wünsche mir dass das nächste Jahr genauso abwechslungsreiche schöne und traurige Stunden bereithält und ich gesund wiederkehre.

Ich möchte die Gelegenheit noch nutzen um mich bei all denen zu bedanken die mich und mein Auslandsjahr bisher in so unterschiedlichster Weise unterstützt haben.
Ich hätte nie gedacht dass mein Schaffen hier auf so viel Interesse stoßen würde.
Das gibt mir viel Kraft für die weitere Zeit hier in Brasilien.





Danke für alles, euer Benjamin.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

..hey benni.. schön wieder was von dir zu lesen .. bin froh zu wissen, dass es dir gut geht .. und glaub mir: das nächste halbe jahr geht schneller rum als du es dir erträumen magst .. wann genau fliegst du zurück?? .. muss mir das datum ja im kalender notieren.. hoffe wir hören uns bald mal wieder .. denk an dich!! deine nicole

Anonym hat gesagt…

Hallo Ben, wir (d.h.Papa, Mama, Schambes,Dieter und Gerhard) sitzen in Buch im schönen Hunsrück und lesen deinen Blog und freuen uns mit dir und vermissen dich gleichzeitig dabei.Herzlichen Glückwunsch zu eurem Jubiläum. Wir sind wirklich stolz auf euch!
Denk noch nicht an das Ende deines Aufenthalts, du hast noch viel vor dir und wie du weißt, kostet der Endspurt noch mal viel Kraft (das schreibt deine Sportlermutter Martha).
Alles Liebe, dein Anhang

Anonym hat gesagt…

Hallo lieber Ben, ich sitze immer noch in Kahl ;-) Ich kann mir lebhaft vorstellen wie dein Ausflug mit den Kindern war. Ich kenne das, nur ohne Flip-Flops die im Schlamm stecken bleiben....
Bin sehr stolz auf dich und freue mich wenn das nächste halbe Jahr schnell rum geht...;-)Dir wünsche ich noch viele tolle Erfahrungen bis dahin.
Kuss
Biggi

Anonym hat gesagt…

Hallo Benni,

an dieser Stelle möchte ich dir danken! Ich lese regelmäßig, was du schönes erlebst und freue mich immer wieder, dass du die Zeit findest, alle anderen daran teilhaben zu lassen. Ich bin nun auch seit einem Jahr "on tour" und ich schaffe es nie, regelmäßig zu schreiben. Zumindest nicht direkt. Meist steht alles in meinem Reisebuch, von dort aus geht es dann nur zu den leuten, die es lesen wollen, wenn ich zwischenstop in Ingelheim mache.

Ich hoffe du schreibst weiterhin und hast auch im nächsten halben Jahr genauso viel Spass und Erfolg!

Ganz liebe Grüße aus der Schweiz,

deine Justine