Nachdem ich mich jetzt längere Zeit nicht mehr gemeldet habe bringe ich euch mal wieder auf den neuesten Stand.
Auf dem typischen Touristenausflug (Christusstatue, Copacabana, Zuckerhut) hatte ich den darauf folgenden Freitag die Chance die andere Seite von Rio kennen zu lernen. Ich fuhr mit Moritz, den Italienern, Pe Renato und 3 Streetworkern von „Casa do Menor“ an den gigantischen Busbahnhof von Rio de Janeiro. Dort besuchten wir einen Ort wo sich Straßenkinder aufhielten, und die dort regelmäßig von unseren Streetworkern aufgesucht werden. Ich wusste zwar auch das die Kids mit denen ich arbeite nicht vom Himmel fallen, doch die Kinder dort zu sehen hat schon weh getan. Fast alle hatten Plastikflaschen in der Hand in denen Klebstoff war oder in Klebstoff getränkte Tücher die sie sich ständig zu Mund und Nase führten um die Dämpfe einzuatmen. Neben der Hungerstillenden Wirkung die die Kinder beabsichtigen benebelt es natürlich total, sodass die Kinder sehr apathisch und mit gläsernen Augen an einem hingen. Man fühlt sich dann schon sehr hilflos und auch etwas unbeholfen weil man überhaupt nicht weiß wie man reagieren soll. Da war zum Beispiel ein 10 jähriges Mädel was mir einen Kuss auf die Wange gedrückt hat. Wenn man überlegt wie ein 10 jähriges Mädel bei uns umsorgt wird und wie eigenständig sich dieses Mädel in der Welt behaupten muss. Man muss da schnell erwachsen werden.
Ein Mädchen das von ihrem Bruder mit einer Eisenstange verprügelt wurde bevor wir kamen haben wir dann ins Krankenhaus gefahren. Da hat man noch mal gemerkt wie hilflos die Kinder allem und jedem ausgeliefert sind, da sie niemanden haben an den sie sich wenden können.
Mit noch flauem Gefühl im Bauch sind wir dann in den Sambadrom gefahren. Dort haben wir dann ziemliches Kontrastprogramm gehabt. Der Sambadrom ist ein von „Oscar Niemeyer“ geplante 1,5 Kilometer lange Straße die auf der einen Seite von einer großen Tribüne und auf der anderen Seite mit Logen gesäumt ist. Dort finden an Karneval immer die Wettbewerbe der größten Sambaschulen Rio´s statt von denen immer die Fotos stammen die man bei uns in den Medien sieht. Momentan finden an den Wochenenden immer von einer Sambaschule (mit jeweils ca. 9000 Personen) die Proben statt. Da diese im Gegensatz zu dem eigentlichen Wettbewerb nichts Kosten schauen sich die Bewohner Rio´s die Proben an. So waren wir in etwa 50.000 Menschen die sich über eine Stunde Sambatanzende Menschen anschauten. Sehr schön das mal zu sehen auch wenn der Kontrast natürlich nicht größer sein könnte. Von der Tribüne aus konnte ich auch die erleuchtete Christusstatue und darunter die in der Nacht sehr schön funkelnden „Favelas“ sehen.

Anschließend sind wir noch in ein für das Nachtleben berühmte Viertel gefahren, wo auch sehr viele Kinder auf der Straße geschlafen haben. Mit einem Caipirinha an der „Copacabana“
nachts um halb 1 wurde der Abend dann beendet.

An der Copa,...
Am nächsten Tag habe ich mit meinen Jungs in „Casa Angelo“ einen Heißluftballon gebaut der dann leider nicht wirklich abgehoben hat, aber wir werden daran feilen,…

Am Nikolaustag wurde mit Moritz zusammen nach Oma´s Rezepten deutsche Plätzchen gebacken, was ziemlich viel Arbeit war aber wir mit voller Stolz auf 6 Sorten feinstes Gebäck blicken können. Diese werden jetzt im Shop von „Casa do Menor“ verkauft, wo sie hoffentlich ein bisschen was einbringen werden.
Trotz Plätzchenbacken ist in Anbetracht des steigen Quecksilberpegels Weihnachtstimmung undenkbar. Für meine Freundin, die mich über Weihnachten besuchen kommt werden es wohl einen Differenz von 40 Grad sein die es zu überwinden gilt.
Zum Glück gibt es ja in manchen Häusern von Casa do Menor einen Pool, was dann eine wahre Wohltat ist, auch wenn viel Chlor und Sonne die Haut nicht gerade geschmeidiger machen.

Der verzweifelte Kampf um einen Ball,...


Ich bin viel brauner als es der Kontrast vortaeuscht,...
Sehr schön war es am Samstag, da haben 2 Mitarbeiter von „Casa do Menor“ in unserer Kapelle geheiratet. Sehr viele unserer Kinder waren auch da und es war eine sehr schöne tränenreiche Hochzeit. Ich durfte Schlagzeug spielen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat, und das Hochzeitspärchen sehr gefreut hat.
Gestern gab es dann eine Bingoveranstaltung um ein bisschen Geld zusammen zu bekommen da ein paar unserer Leute für einen Monat nach „Fortaleza“ fahren. Das ganze fand in der „CIDAH“ statt und wir hatten die Möglichkeit uns im Pool abzukühlen. Ich habe mit den kleinen Kindern von „Casa Herbalife“ (0-6 Jahre) geplanscht und mein Rücken wurde etwas verkratzt, weil die ganze Zeit Kinder auf meine Schultern geklettert sind. Hier mal ein paar Impressionen von den wirklich süßen Kindern und dem vollen Pool.


Ich verbliebe mit Grüßen, genießt das schöne kalte Adventswetter, euer Benni.
4 Kommentare:
Endlich mal wieder was neues von dir. Deine Seite ist bei meinen Favoriten ganz oben.
Die Kleinen sind echt süß... Und was das Kontrastprogramm angeht, so hast du dir ja ein Land ausgesucht, das die Schere zwischen Arm und Reich krasser zeigt als hier in Europa jemals denkbar.
Da geht es wirklich ums nackte Überleben.
Ich bin sehr stolz auf dich und freue mich für dich und Alena, dass sie dich besuchen kommt.
Viele liebe Grüße und einen dicken Kuss von Biggi!
Hi Benni.
Da hast du wirklich ein Kontrastprogramm erlebt. Aber es ist toll, beide Seiten des Lebens kennenzulernen. Nur so können sich Erfahrungen ansammeln, die dein Leben bereichern werden! Ich finde es super, was du dir alles für die Kinder und das gesamte Projekt ausdenkst und tust. So gibst du den Kids viel Liebe und lässt sie an der Sonnenseite des Lebens teilhaben.
Liebe Grüße aus Ingelum,
dein Bruder Tobias.
Hi Benni,
wie immer beeindruckende und z.T. sicher schwer zu verarbeitende Eindrücke für Dich.
Was deinen Bräunungsgrad angeht: Magerquark ist nichts dagegen...
Gruß aus Meenz,
Papa
ola,
ich weiß gar nich was ich schreiben soll!
will dir nur sagen dass ich stolz auf dich bin,dass du die tage genießen sollst und dass du gaaaanz viel deiner waerme und liebe weitergeben sollst!aber weiß ja dass du das machst....=)
vermiss dich!bis bald marie
Kommentar veröffentlichen